Okay – das soll jetzt schon der letzte Tag dieser kurzen Haveltour sein. Da war ja gerade so genug Zeit die morgendlichen Abläufe in eine Routine zu bringen, so dass der Start vom Hotel schon kurz vor Acht stattfinden kann, denn der Termin im hiesigen Krankenhaus war schon für halb neun angesetzt. Natürlich nicht ohne vorher ordentlich zu frühstücken und ALLES aufs Rad zu packen (die Sache mit dem ALLES klärt sich später)


Also rasch rüber zum Brustzentrum der Oberhavel Kliniken hier in Oranienburg. Jessi war auch schon vor Ort und so konnten wir die Logistik des Radtaschen-Abbaus, Fahrrad abstellen und sogar der fotografischen Dokumentation unserer Ankunft gemeinsam erledigen – das ist zu zweit eine echte Erleichterung, denn die Fahrradständer befinden sich meist in einiger Entfernung vom Eingang.

Die richtige Station im Krankenhaus hatten wir schnell gefunden – ist ja nicht so groß wie die anderen Kliniken auf der Tour.
Wir wurden freundlich empfangen, jedoch gleich mit dem Hinweis, dass die Leiterin des Brustzentrums ggf. Zwischen Visite und Tumorkonferenz gar keine Zeit für uns hat. Also nahmen wir im Warteraum Platz und studierten schon mal die dort ausgelegten Flyer – von AMSOB war keiner dabei. Dann stand Frau Dr. Keil doch schon vor uns und in einem kurzen Gespräch konnten wir den Verein vorstellen und die Mutmachpost übergeben. Das obligatorische Foto hat Jessi dann auch noch machen dürfen und schon waren wir wieder weg und haben den zeitlich engen Ablauf auf der Station nicht weiter gestört.


An der Bushaltestelle vorm Krankenhaus habe ich mich dann von Jessi verabschiedet und los ging es Richtung Stechlin. Die Strecke kenne ich eigentlich schon, denn auf der gemeinsamen Radtour mit meiner Tochter Lea im Jahr 2019 von Leipzig über Berlin zum Stechlin sind wir das schon mal gefahren – aber nicht von Oranienburg in einem Stück. Ich wusste also, dass die nächsten 90 km ziemlich hügelig werden und hatte gehörigen Respekt davor, aber auch Vorfreude auf die schöne Landschaft und das Auffrischen der Erinnerungen. Zuerst einmal verspürte ich aber Durst…
Doch was war das – der Griff zur Fahrradflasche führte ins Leere…Upps – die hatte ich beim Aufschnallen des Gepäcks im Hotel wohl stehen lassen – was für ein Glück, dass ich das genau an der Stelle gemerkt habe, wo ich nur 300 m vom Hotel entfernt war – und nochmal Glück – die Flasche stand noch genau da im Vorraum, wo ich sie vergessen hatte und wartete geduldig auf ihre Mitnahme – hab ich natürlich freudig gemacht..


Aber nun wirklich los – es ist schließlich noch weit. Landschaftlich super schon führt der Weg entlang des Wassers durch den Kiefernwald, über Brücken, am Feldesrand und durch nette kleine Orte. Da der Radweg auch Teil des Fernradweges Berlin-Kopenhagen ist, sind hier ein paar mehr Radler unterwegs als die letzten Tage – aber so kommt man auch mal in einen schönen kurzen Schwatz und erfreut sich gemeinsam dieses schönen bewegenden Hobbys. Die erste Pausenstelle auf einer schattigen Bank am Wegesrand war so auch schnell erreicht.
Dann tauchte tatsächlich schon bald der erste Wegweiser nach Fürstenberg auf – noch 44 km bis dahin – okay passt. Den nächsten Stopp hatte ich im Ziegeleipark Mildenberg vorgesehen, denn da hatten wir damals 2019 im Zelt übernachtet und ich wusste, dass es dort ein schönes Restaurant gibt. Genauso habe ich auch alles wieder gefunden – sogar die Badestelle war noch vorhanden, wenngleich diese schon damals wenig einladend war und wir nach dem Bad zwar nicht mehr verschwitzt waren aber von Algen bedeckt – diesmal habe ich also darauf verzichtet – nicht aber auf das leckere Essen.
Der Radweg führte wie gewohnt weiter durch die Orte und Wälder, die immer vertrauter wurden – schließlich fand unser Familienurlaub über viele, viele Jahre am Stechlin mit Ausflügen in die hiesige Umgebung statt. Die Zahl der ausgewiesenen Kilometer nach Fürstenberg auf den Schildern sank beständig und so hatte ich Himmelfort bald erreicht. Ich habe mich dort für eine schnelle Kohlehydratzufuhr für die letzten Kilometer in Form von Eis und Cola entschieden und vorerst auf das Einwerfen eines langen Wunschzettels in den Briefkasten des Weihnachtsmanns verzichtet – was soll man sich auch wünschen, wenn man solche schönen Radtouren machen kann – man hat ja alles was man braucht.

Der Weg rüber nach Fürstenberg war mir nu. Wirklich bekannt und so hatte ich ordentlich strampelnd im Auf und Ab im Walde die City von Fürstenberg bald erreicht. Vor dem Anstieg des Weges hinauf nach Neuglobsow wählte ich noch mal die Pausenbank – hat mich aber vor der kurzen Schiebe-Arbeit hinauf nicht bewahrt – nach mehr als 80 km und mit Gepäck wollten es die Beine einfach nicht mehr treten. Nicht schlimm – das Hinüberrollen nach Neuglobsow ind wohlbekannte Wanderquartier war dafür umso schöner.
Das abschließende Bad im See in voller Fahrradmontur durfte natürlich nicht fehlen und so konnte der Tag später am Lagerfeuer mit Kesselgulasch entspannt ausklingen.




Zum Schluß bleibt es mir wie immer DANK zu sagen für Alles Erlebte und alle Helfer, die die Tour möglich machen – aber diesmal ganz ganz besonderer Dank an Jessi – sie ist nämlich die eigentliche Heldin dieser Tour – sie ist an allen drei Tagen schließlich um drei Uhr früh aufgestanden um dabei zu sein und hat sich den Kuriositäten der radreisenden Bahnfahrern mit all den netten Hindernissen, die das so mit sich bringt gestellt. Sie hat die Tour mit großem Willen in ihren vollen Tagesablauf eingebaut – größte Hochachtung – sie fährt auch kein High-End-Rad für mehrere tausend Euro, sondern ein ganz normales Tourenrad, sie holt bei Regen auch nicht die ultraleichte Regenjacke aus der Tasche, sondern eine Fledermaus-Regen-Poncho, sie trägt auch kein schweißaufsaugendes Merino-Shirt unter dem Tourshirt, sondern ne Kompressions-Kleidung – und lässt sich dann trotzdem nicht nehmen, mit zu baden und das ganze Aus- und Einpellen unterwegs zu bewerkstelligen…und glaubt bloß nicht ich musste langsamer fahren, weil sie dabei war – ganz im Gegenteil – manchmal hat sie mich überholt, wenn es ihr hinten zu langsam wurde – ALSO DAAAAANKE Jessi, das Du dabei warst – mit Dir gehe ich gerne immer wieder auf Tour – Du bist ein echtes leuchtendes Beispiel, was alles geht, wenn man wirklich will, egal wie die Umstände eben sind – es gilt Lösungen zu finden und nicht Ausreden – ich bin beglückt, dies erleben zu dürfen. Möge es allen, die es lesen, Ansporn sein, ihre Ziele neu zu definieren und sich auf den Weg zu machen – ganz im Sinne dieser Mutmach-Tour.
Damit sage ich Tschüß und verabschiede mich in den Urlaub – bis zur Tour entlang der Ruhr im September – lasst es Euch gut gehen bis dahin!
























