Der morgendliche Blick aus dem Fenster versprach bestes Radfahrwetter. Der Tritt aus dem Bett war weniger erfreulich – irgendwie hat mir mein Knie den Aufstieg auf die Schanze gestern nicht so ganz verziehen und tat ordentlich weh bei jedem Schritt. Na zum Glück muss man ja beim Radfahren nicht auftreten sondern nur in die Pedale reintreten und vielleicht schmiert ja die Drehbewegung auch das Gelenk.
Also frühstücken, einpacken und los – nur eben etwas langsamer – ist ja auch Urlaub.


Erstmal direkt zur Quelle und das auch noch bergauf – da war schon mal Schieben angesagt. An der Quelle war mir das Glück wieder hold und es waren zwei nette radelnde Herren gleichzeitig vor Ort, so dass ordentliche Bilder gemacht werden konnten. Ein Steinchen aus der Ruhrquelle hab ich auch noch eingepackt – das fährt mit und wird dann direkt an der Mündung wieder dem Fluss übergeben.
Die Ruhr ist hier wirklich ein kleines lauschiges Flüsschen – im Gestrüpp kaum zu erkennen.

Der Ausblick ist dafür umso schöner – überall grüne Hügel und kleine Orte dazwischen.
Der Radweg führt zuerst auf Schotter später auf Asphalt meist bergab – da ist selbst treten unnötig.
In Assinghausen konnte ich beim Anblick der kleinen Kapelle nicht widerstehen und hab eine kurze Pause eingelegt – Gottes Segen ist also auf der Reise dabei.
Die Ruhr ist inzwischen schon etwas quirliger und der Weg führt teilweise immer noch ordentlich bergab.
So war Olsberg alsbald erreicht. Nettes Örtchen und überall stehen Figuren rum, die sich Wasser übers Knie gießen – sollte ich vielleicht auch mal probieren – hilft ja vielleicht. Meine Recherche hat ergeben, dass das Kneipp-Figuren sein sollen – wieder was gelernt. Aus dem Ort heraus ging’s dann aber zur Abwechslung mal richtig bergauf – also Schieben.
Lohn der Anstrengung ist der Blick ins Tal und damit auch zu recht imposanten Autobahnbrücken


Inzwischen war über die Hälfte der heutigen Strecke absolviert – damit Zeit für eine Mittagspause. Mit dem Rastplatz am Schieferbergwerik Nuttlar war dafür auch gleich ein hübsches Plätzchen gefunden. Bei Essen, Trinken und Telefonieren gab es genug Erholung für die Weiterfahrt.


Dann kam über WhatsApp auch die Nachricht ich solle in Wennemen an meinen Lieblings-Fachkollegen denken – er sei da aufgewachsen und heute Nachmittag auch dort im Elternhaus zu Besuch – na dann…
Erstmal führte der Weg auf die andere Ruhrseite – inzwischen ist die schon etwas breiter und dann…Umleitung – ist ja meinen Reisen nichts unbekanntes
Beim Abbiegen habe ich mich dann mit der Schaltung vertan und stand am steilen Anstieg und das Gepäck zog ordentlich das Rad nach hinten, mit dem Knie konnte ich mich auch nicht so richtig ordentlich dagegen stemmen – als ich schon ziemlich kraftlos überlegte, wie ich aus der Situation heil rauskomme – kam ne Hand von hinten an den Sattel und ne Stimme die sagte „Ich halte – kannst absteigen“. Na die B-Note des Abstiegs war sicher nicht berauschend – aber die Erleichterung groß. Ich hab mich bei dem netten jungen Mann bedankt und ne schöne Weiterfahrt gewünscht. Nach ca. 1 km hat er jedoch auf mich kurz vor dem nächsten Anstieg gewartet. Dann kam der Hinweis auf einen Schleichweg der ohne Anstieg und Abfahrt wieder zum Radweg kommt – er kennt sich aus – er fährt da jeden Tag zur Schicht auf Arbeit – also sind wir gemeinsam den Feldweg gefahren und später noch ein Stück auf dem Radweg – er hat immer rechtzeitig Bescheid gegeben, wenn wieder ein Anstieg kam und so hatte ich genug Schwung (einmal hab ich ihn sogar im Anstieg überholt) – nachdem uns dann noch eine Anwohnerin lobte, weil wir wohl fast die Einzigen sind, die ohne E-Bike vorbeikommen, haben wir uns strahlend voneinander verabschiedet.
Am Wegesrand konnte man sich schon mal den nächsten Weihnachtsbaum aussuchen – ist ja nicht mehr lang hin – Spekulatius gibts ja auch schon wieder im Supermarkt.
Dann noch einmal rüber über die Ruhr und schon war Wennemen erreicht
Und da es ja bekanntlich keine Zufälle gibt, hat es als ich das schöne rosa Fahrrad im Ort fotografiert habe hinter mir gehupt und mein Lieblings-Fachkollege fuhr links auf den Parkplatz und wir fielen uns freudig in die Arme. Somit weiß ich jetzt auch wo er in die Grundschule gegangen ist, wir standen ja direkt davor – die naturwissenschaftliche Ausbildung dort muss echt gut gewesen sein, sonst würden wir nicht seit so vielen Jahren gemeinsam die Welt des WDVS (für nicht Fachkundige: WärmeDämmVerbundSytem – damit beschäftige ich mich 24/7, wenn ich mal nicht Rad fahre) so erfolgreich gemeinsam rocken.

Wenig später war der heutige Zielort Freienohl erreicht und ich konnte im Hotel einchecken, ausruhen und lecker essen.
Es war ein toller Tag mit erstaunlichen Begegnungen – immer genau zur richtigen Zeit – möge es morgen so weiter gehen.






















