Etappe 8 Bertingen – Tangermünde
Wenn der Tag mit einem Bad im Teich beginnen kann, der auch noch nur 50 m vom Bett entfernt ist, dann bin ich schon mal glücklich. Wenn dann danach auch noch ein richtig gutes Frühstück wartet, ist das kaum noch zu toppen. Somit saß ich heute kurz nach 9 Uhr vergnügt im Sattel und radelte durch den schattigen Kiefernwald. Bald führte der Weg jedoch auf dem Damm über die Dörfer und zwischen den Feldern hindurch. Das Farbenspiel des Getreide-Mohn-Kornblumen-Gemischs war wunderschön anzusehen, aber irgendwie drückte die Luft heute ganz schön und die Sonne prasselte – so schnell konnte ich gar nicht fahren, dass der Fahrtwind als Kühlung ausgereicht hätte. Nach 20 km musste daher eine Pause her.












Okay weiter – immer am Elbdamm entlang und schon war Tangermünde in Sicht. Ich bin aber erstmal nicht rein sondern am Stadttor vorbei gefahren, denn ich wollte ja die Mutmachpost in der Klinik in Stendal abgeben. Der Weg dahin ist natürlich kein schöner offizieller Radweg und so führte auch eine Teilstrecke ein paar Kilometer über die Bundesstraße – bei den Temperaturen nicht gerade lustig, aber wenigstens waren heute keine LKW unterwegs. Im Bereich der zweispurigen Bundesstraße gab es dann zum Glück einen parallelen Radweg und so konnte ich Stendal bald am Horizont erblicken. Jetzt musste ich nur noch einmal quer durch und dann hatte ich die Klinik erreicht. In der Zeit lag ich gut und so gönnte ich mir noch eine Pause auf einer schattigen Parkbank und traf am Telefon noch ein paar Absprachen mit Annette für die letzte Etappe am Donnerstag, die wir ja wieder gemeinsam fahren.






Als es auch da zu heiß wurde, bin ich rüber zur Klinik und habe am Empfang nach Frau Dr. Stefek (Leiterin des Brustzentrums) gefragt, die mir ja den Termin per Magil bestätigt hatte. Da das Brustzentrum aber am Sonntag nicht offen hat, war sie natürlich auch nicht da. Wahrscheinlich hatte sie bei der Terminbestätigung übersehen, dass der 28.8. ein Sonntag ist. Die Dame am Empfang bot mir an die Mutmachpost da zu lassen, wollte aber kein Foto machen – als Alternative schickte sie mich auf Station 2 – hier sind Urologie und Gyn zusammen. Das war wohl die bessere Variante, denn dort nahm Schwester Anja die Mutmachpost interessiert entgegen, war zum Foto bereit und versprach auch den Umschlag morgen früh bei Frau Dr. Stefek abzugeben. Ein Gespräch über Brustlosigkeit und den Umgang damit erübrigte sich so natürlich, ich wollte ihre Freundlichkeit auch nicht über Gebühr strapazieren, da sie auch gleich Feierabend hatte. Hier werde ich dann wohl besser noch eine Erklär-Mail ans Brustzentrum hinterher schicken. Nach der ganzen Aufregung brauchte ich erstmal eine Abkühlung – zum Glück hatte die Cafeteria auch Eis im Angebot.


Jetzt konnte ich beruhigt den Rückweg nach Tangermünde antreten. Eine kleine Rundfahrt durch Stendal habe ich mir trotz Hitze gegönnt und am Bahnhof auch noch meine Mitfahrerin der morgigen Etappe- Ina aus Leipzig – am Bahnhof abgeholt. Wir kennen uns über die Plattform Homodea von Veit und Andrea Lindau. Ich will hier wirklich keine Werbung machen, aber ohne Homodea und die Online-Kurse, die ich dort seit ca. 3 Jahren mache, hätte es diese Mutmach-Tour nie gegeben, denn dort habe ich unter Anderem gelernt, dass man auch Projekte angehen kann, von denen man noch nicht genau weiß wie alles geht und dann Schritt für Schritt loslegt, Partner sucht, ggf. korrigiert und neu plant und dann fügt sich schon Alles -und genau so ist es ja auch gekommen. Das Einzige was ich von Anfang an konnte, war die Strecke planen und in Etappen einteilen, dass habe ich ja in den letzten Jahren für den Radurlaub auch gemacht. Der Rest war komplettes Neuland mit tausend Fragen am Anfang: Werde ich die Frauen von AMSOB überhaupt von meiner Idee begeistern können? Werden die Brustzentren mich empfangen wollen? Wie trete ich den Ärzten und PflegerInnen entgegen – ich möchte ja keine Konfrontation, sondern Verbindung und Netzwerk schaffen? Wer kann ein Logo entwickeln? Was übergebe ich überhaupt? Wie bekommen wir die Medien dazu, davon zu berichten? Überall habe ich von meiner Idee erzählt und Schritt für Schritt hat sich Alles in Teamarbeit zusammen gefügt. An dieser Stelle möchte ich dafür schon mal DANKE sagen bei Allen die mitgewirkt haben – keine Angst ich zähle jetzt nicht alle auf – das mache ich am Ende der Tour im letzten Bericht – wer nicht genannt werden möchte, kann mich ja persönlich informieren.
Mit Ina zusammen war der Rückweg nach Tangermünde nicht ganz so öde, sondern nur warm. Wir schlafen heute in der Pension Langer Hals – was wohl an dem Gebäude vor der Pension liegt, da das so hoch ist, dass man echt einen langen Hals aus dem Fenster raus machen muss, um es komplett zu sehen.
Im Laufe des Tages hat sich Katja aus Braunschweig noch bei mir gemeldet. Sie fährt zur morgigen Fotoaktion von „Stark und Schön“ – Frauen mit Krebs – ein Fotoprojekt für mehr Selbstliebe – von Franziska Guenter und kam auf dem Weg dorthin mit Apfelkuchen hier vorbei und so haben wir bei Kaffee und Kuchen noch ein langes offenes Gespräch über alle Belange, die mit Diagnose und Therapie zusammen hängen geführt. Ich habe ihr gleich noch ein Mutmachpost-Päckchen mit gegeben, so dass alle Frauen, die morgen da sind, es auch sehen können.




Nach einem lohnenswerten Rundgang durch diese wunderschöne Stadt bin ich jetzt komplett platt und werde gleich nach Veröffentlichung dieses Beitrags schlafen, um morgen fit für die Etappe nach Wittenberge zu sein.









