Etappe 6 Dessau Schönebeck 24.Juni 22

Die Nacht hatte ich im Forsthaus und somit mitten in des Waldes Ruhe allein im Zimmer verbracht – am Frühstückstisch hingegen saß ich dann mit 5 Männern – ein Radfahrer aus Wiesbaden und 4 aus Halle – da hatten wir schnell unsere Themen – einmal quer durchs Gemüsebeet – Radfahren, Maffay (wegen der Hallenserin Hendrikje), Lehramtsstudium (alle Kinder studieren das) und natürlich die Motivation meiner Reise und somit der Umgang mit Krankheit und Behinderung – einer der Hallenser war nämlich leicht einseitig gelähmt und seine Freunde machten trotzdem mit ihm die zweitägige Radtour – nur eben mit seinem Tempo – wir haben uns also prächtig verstanden und so bin ich später losgekommen als geplant.

Ich habe ordentlich in die Pedale getreten, denn für 10:30 Uhr war ich mit Antje (wir kennen uns schon seit Urzeiten beruflich – sie muss mit Ihrem Unternehmen, nämlich die Dämmsysteme bauen, für die ich die Zulassungen mache und so bekomme ich oft aus erster Hand mit, wenn wir da am grünen Tisch wieder mal uns was ausgedacht haben, was unverständlich oder nicht so einfach umsetzbar ist). Also habe ich ordentlich in die Pedale getreten und war auch nach einer guten Stunde an der Fähre in Aken. Kurz vor Aken bin ich dabei aus dem Wald heraus gekommen und da fuhr doch glatt ein EJOT-Auto (für alle die nicht aus der Branche sind – EJOT stellt Dübel für Dämmsysteme her) gerade vorbei – das konnte nur Mario sein – hab mich kurz gewundert, warum er nicht anhält – aber vielleicht hat er mich ja nicht gesehen.

Schnell rüber mit der Fähre und dann noch ein paar Kilometer bis Steckby den Radweg auf der linken Seite der Straße lang. Plötzlich kommt ein Transporter und fährt auf die linke Seite und da ruft es aus dem Fenster „Bist Du die Antje“, „Ja“, „Ich bin Steffen, der Mann von Antje“ – fröhliches Winken – so konnte er ja schon mal bei Antje Bescheid geben, dass ich gleich da bin. Am Ortseingang kam sie mir dann auch schon entgegen mit ihrem Fahrrad und so konnte sie mich sicher zum Treffpunkt bei Opa Berthold lotsen. Da war schon eine Kaffeetafel aufgebaut, die Reporterin der Volksstimme, die vorige Woche den schönen Artikel geschrieben hatte, war auch da – es fehlte nur der Kuchen und die Getränke – da kam ein weißes Auto mit EJOT-Aufschrift angekullert – und wer stieg mit Kaffee und Kuchen aus..klar Mario – große Freude bei der Begrüßung. Wir hatten viel Spaß, ich durfte der Reporterin die Mutmachpost zeigen und den Sekt von Opa Berthold gab es auch noch – den bekommt man, wenn man bei ihm vorbei kommt und den Elberadweg von Dresden nach Hamburg oder umgekehrt komplett fährt.

Eine Stunde war schnell rum, dann wollten wir aber los, noch schnell in der Radfahrerkirche vorbei – da hat die Grit Lichtblau nämlich gerade eine Fotoausstellung. Dann ging es durch Wald und Feld Richtung Barby mit einigen Unterbrechungen an schönen Fotostellen. Das Highlight war ganz sicher die Überfahrt über die Elbe auf der alten Eisenbahnbrücke. Drüben angekommen war es Zeit für eine Pause, auch wir wollten ja den Radiobeitrag im MDR live hören und so ließen wir uns am Dönerladen nieder. Auch hier sind wir dann aus dem quatschen kaum raus gekommen und so war auch diese Pause eine Stunde lang.

Nun aber rasch – 15:30 Uhr waren wir zur Übergabe der Mutmachpost in der Kurklinik Salzelmen verabredet. Einmal quer durch Schönebeck und wir waren da. Antje wollte draußen warten und auf die Räder aufpassen und ich bin rein. Die Chefärztin der Onkologie Frau Dr. Bilsing nahm mich auch gleich in Empfang und führte mich auf die Terrasse der. Cafeteria. Da war doch tatsächlich eine Kaffeetafel mit Obsttellern und Getränken aufgebaut und die von Brustkrebs betroffenen Frauen, die gerade Reha hatten waren versammelt – was für eine tolle Idee – ich konnte die Mutmachpost erklären und übergeben und es folgte ein reger Austausch über all die Dinge, die Betroffene so bewegen – kurz dachte ich an die arme Antje, die ja draußen wartete – aber da kam sie auch schon zusammen mit Frau Freier von der Klinikverwaltung und den Rädern zur Tafel hinzu. Die BCN Schwester Sabine hatte als Überraschung auch noch ein Herzkissen für mich und so verging auch hier wieder eine Stunde rasend schnell. Ohne das Mutmachstation – Foto konnten wir natürlich keinesfalls weg – das war dann schnell noch erledigt. Interessant ist tatsächlich, dass es hier in der Reha mit Schwester Sabine eine ausgebildete Breast-Care-Nurse gibt, die die Frauen betreut und so neben den Ärzten eine Ansprechpartnerin für alle Belange der Frauen rund um ihre Erkrankung – nein besser ihre Genesung da ist, die ein offenes Ohr und Zeit dafür hat.

Für dem Rückweg zur Unterkunft – heute schlafe ich im Weltrad in Schönebeck – sind wir noch am Gradierwerk vorbei und dann runter zur Elbe. Hier hat mich zu meiner großen Freude mein Freund Thomas aus meinem Maffay-Fanclub besucht und Antjes Mann Steffen kam auch hinzu und so haben wir genüsslich zu viert Abendbrot gegessen. Thomas war sozusagen als Vertreter aller so lieben Menschen aus „meinem“ Maffay-Fanclub Ewig da, die bereits seit Beginn an meiner Krankheits- und Genesungsgeschichte und so auch an dieser besonderen Reise Anteil nehmen und mit ganz viel Empathie dabei sind – Ich bin Euch allen unendlich dankbar dafür – Träume, Tränen, Wege und die Zeit verbinden uns …

Jetzt ist ein so sehr ereignisreicher Tag mit unendlich vielen tollen Gesprächen und Begegnungen mit alten und neuen Bekannten zu Ende und nach Veröffentlichung dieses Blogs werde ich ganz bestimmt schnell schlafen, denn morgen früh bin ich ja schon 9:00 Uhr in der Uniklinik Magdeburg verabredet und bis dahin sind es knapp 20 km.