Nach so einer Reise kann man nicht gleich nach Hause fahren und zur Tagesordnung übergehen. In weiser Voraussicht hatte ich mein Zugticket erst für nachmittags gebucht und so blieb mir noch freie Zeit bis zur Abreise. Also mit allem Sack und Pack hin zum Bahnhof, Gepäck ins Schließfach, Fahrrad an den Fahrradständer und rein in die S-Bahn nach Warnemünde.

Mitten im Touri-Trubel habe ich mir die Dinge gesucht, die mir gut tun – Spazieren an Promenade und Strand, Fischbrötchen und Eis Essen, in der Kirche für all das Danken,was mein Leben ausmacht und einfach den Wind um die Nase wehen lassen.

Die Heimfahrt verlief trotz Umstieg reibungslos und so war ich kurz vor Neun wieder in meiner Lieblingsstadt Leipzig. Inzwischen ist die Wäsche gewaschen und das Fahrrad gesäubert – die zahlreichen Erlebnisse und Begegnungen bleiben aber für immer.

Was war das für eine wundervolle Reise:

– unendlich viele liebe Begegnungen mit so vielen Highlights – insbesondere der Auftakt in der großen Radelgruppe in Berlin, der Tag in Bad Oexen bei Birte, der erste Tag an der Ostsee gemeinsam mit Susanne und der super Konzertabschluss in Rostock

– ein Fahrrad und die Ausrüstung, was pannenfrei jedes Wetter aushält

– eine sensationelle Social-Media-Begleitung durch Grit

– eine zu insgesamt 7 Zeitungsartikeln führende unermüdliche Pressearbeit durch Susann und Meike

– der eigene Körper, der noch immer Radfahren will, fast ohne zu ermüden

Ich empfinde für all das tiefe Dankbarkeit, die Worte allein nicht ausdrücken können – das Leben ist einfach schön – die nächste Tour folgt ganz bestimmt – ich freue mich schon drauf.

Letzter Tourtag – wo ist die Zeit geblieben – es könnte ewig so weiter gehen. Also alles wie immer – Packen, Frühstück, Aufsatteln. Erst entlang der Strandpromenade, dann im Wald hinter der Düne – herrlich so dahin zu rollen. In Heiligendamm habe ich die Bäderbahn getroffen – für mich an dem Tag keine Alternative. In Börgerende mal wieder ein nettes Umleitungsschild – also mit Komoot umplanen – für mich war es letztendlich eine Abkürzung nach Rostock – nur eben entlang der schnöden Landstraße. Aber es gab auch schöne Häuschen zum Angucken auf der Strecke. Schon wurden die Straßen breiter und der Stadtverkehr nahm mich in Empfang. Vorbei am Ostseestadion, wo zu der Zeit am Vormittag doch tatsächlich schon einige Maffay-Fans hinpilgerten, erreichte ich überpünktlich das Klinikum Südstadt.

Mit der Koordinatorin des Brustzentrums Frau Dr. Schultek und Mitarbeiterinnen ihres Teams konnte ich das Gespräch über AMSOB und die Therapiemöglichkeiten bei Mastektomie führen. Die Möglichkeit, jetzt auch Frauen, die vor einer Mastektomie stehen, unsere Kontaktdaten geben zu können, wurde dankbar aufgenommen. In diesem Brustzentrum werden alle Optionen angeboten und es wird sich viel Zeit genommen, für jede Frau den richtigen Weg gemeinsam mit ihr zu finden – eine echte Mutmachstation eben – da wurde selbstverständlich auch fotografisch dokumentiert.

Nach einer kurzen Pause am Klinikum – ich musste es erstmal sacken lassen, dass das wirklich die letzte Station der diesjährigen Tour war – schwang ich mich wieder aufs Rad uns fuhr am Rande der Altstadt hinunter zum Hotel am Stadthafen.

Das Einchecken ging zum Glück schon eher als offiziell angegeben und so konnte ich in aller Ruhe den Trikottausch durchführen und mich auf das abendliche Konzert im Ostseestadion vorbereiten.

Der Einlass lief vergleichsweise entspannt und wir konnten einen schönen Platz unmittelbar vor der Bühne einnehmen. Es ist schön so im Kreise vertrauter Freunde mit noch viel mehr vertrauter Musik eine solche Reise zu beenden. Der Regen während des Konzerts konnte der positiven Stimmung und Energie rein gar nichts anhaben.

Der morgendliche Blick aus dem Fenster meldet Sonnenschein. Das wird ein prima Tag. Erstmal Frühstücken – das war ordentlich. Dann los – sind ja nur 10 min Radweg zur ersten Station heute – der Strandklinik Boltenhagen. Hier hatte ich den Termin mit Frau Dr. Steinmann – der Chefärztin der Onkologie – vereinbart. Nach der Vorstellung des Vereins tauschten wir uns noch über die heutigen Behandlungsansätze aus und wie es den Frauen damit geht, wenn sie zur Reha in die Klinik kommen. Das zweistufige Vorgehen – erst das onkologische Problem beseitigen und dann in Ruhe über den eigenen richtigen Weg im Umgang mit der Mastektomie entscheiden – ist nach Erfahrung der Klinik zu bevorzugen. Nach dem Foto musste Frau Dr. Steinmann gleich zum Vortrag und so verabschiedeten wir uns schnell voneinander.

Bis Wismar waren es noch gut 20 km. Es war eine tolle Fahrt durch Wald und Feld, hin und wieder mit dem Blick auf das Meer und das alles bei bestem Sonnenschein. Da war doch wieder ein so ominöses Umleitungsschild am Straßenrand. Ich blieb kurz stehen und ein netter älterer Herr riet mir dringend diesem zu folgen, wenn ich nach Wismar wöllte – habe ich natürlich gemacht – es war ordentlich ausgeschildert und auch nicht wirklich ein Umweg. Bald konnte ich Wismar am Horizont erkennen und schlängelte mich am Stadtrand entlang zum Sana Hanse Klinikum Wismar.

Gerade hatte ich das Fahrrad verstaut und das Gepäck abgebaut, da kam auch schon Frau Franke von der Ostseezeitung und wir unterhielten uns, Wenig später kam Frau Hoffmann – die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit dazu. Als wir gerade in die Cafeteria unterwegs waren, hatte es dann auch die Chefärztin der Klinik für Gynäkologie Frau Dr. Loj direkt aus dem OP zu uns geschafft. Bei einem leckeren Kaffee hatten wir ein ausführliches Gespräch über den Verein und die Selbsthilfearbeit im Allgemeinen und deren Unterbrechung durch Corona. Das Klinikum versucht gerade wieder die Arbeit der Selbsthilfegruppe für Brustkrebs neu zu initiieren und war sehr froh nun auch Frauen, die eine Mastektomie benötigen, an AMSOB weiterleiten zu können. Danach wurde noch das Foto für Klinik, Presse und mich gemacht und ich konnte starten Richtung Kühlungsborn – das waren noch fast 50 km.

Von der Klinik aus führte der Weg durch den Park, am Rande der Innenstadt vorbei und dann über den Hafen hinaus aus Wismar. Dann war endlich Zeit für eine Mittagspause bei bester Aussicht mit dem Meer in der Ferne. Es war ein beliebter Pausenplatz und so war ich dort auch gar nicht lange alleine und erhielt auch noch Tipps zum Weg und Kühlungsborn gratis dazu.

Dann wieder ne Baustelle – diesmal bin ich aber einfach durch – Helm hab ich schließlich auf und festes Schuhwerk auch an – so kam ich in den Genuss einer neuen leeren Asphaltstraße – die Bauarbeiter waren mit sich beschäftigt und haben mich gewähren lassen – war ja schließlich auch keine Umleitung für Fahrradfahrer ausgeschildert.

Nach der Baustelle führte der Weg in munterem Auf und Ab über die Felder und Dörfer immer mit der Ostsee im Blick – herrlich trotz des Schnief, schnief bergan. Noch eine kurze Trinkpause und der Blick zu einem echten Leuchtturm und dann ab durch die Strandpromenade von Kühlungsborn.

Heute gibts ein Zimmer mit Balkon und Blick auf die Ostsee, ein leckeres Essen direkt im Haus und den Strand direkt vor der Tür – so macht Urlaub richtig Spaß.

Der Tag begann dank Renate mit meinem Lieblingsfrühstück – Porridge mit Ost und einen ordentlichen Kaffee dazu – was will man mehr. Die gewaschene Wäsche war so leidlich trocken, wettertechnisch sollte es ebenfalls trocken bleiben und so startete ich mutig wieder mit kurzer Hose – war wirklich mutig – es war viel kälter als gestern.

Dann muss ich eben ordentlich in die Pedale treten zum warm werden. Ging auch super – immer entlang des Bahndamms, dann über die Trave an der Eric Warburg Brücke und um die Altstadt drumrum zum Uniklinikum.

Wie fast immer war ich schon zeitiger da – muss aber auch sein – auf so einem riesigen Gelände benötigt es oft viel Zeit die richtige Stelle zu finden.

Heute hatte ich aber ein gutes Händchen und fand sogar noch ein sicheres Plätzchen in der Nähe des Brustzentrums. Vor der Tür treffe ich auch gleich auf Frau Petersen von den Lübecker Nachrichten und gemeinsam gehen wir rein. Dort werden wir schon von der Leiterin des Brustzentrums Frau Prof. Dr. Banys-Paluchowski und ihrem Team freudig in Empfang genommen und können das Gespräch bei Kuchen und Getränken im Pausenraum führen. Auch Frau Banys-Paluchowski gibt zu, dass sie immer dachte, den Frauen mit dem sofortigen Gespräch über eine mögliche Rekonstruktion zu helfen. Inzwischen sind aber auch die Frauen, die keinen Aufbau wünschen im Fokus, so dass Jede ihren ganz persönlich gewollten Weg mit Unterstützung des Brustzentrums gehen kann. Als das Gespräch auf die Leitlinien kam, nach denen die Ärzte behandeln sollen, konnte mir Frau Banys-Paluchowski mitteilen, dass in der jetzigen Überarbeitung die Beratung auch für die Möglichkeit der Mastektomie ohne Wiederaufbau mit Silikon oder Eigengewebe für die Ärzte verpflichtend enthalten sein wird – daran haben die AMSOB-Gründerinnen ihren Anteil und ein wichtiges Ziel des Vereins wird erreicht sein, wenn die neue Leitlinie nächstes Jahr erscheint – was für ein schöner Erfolg. Zum Foto kam fast die gesamte Mannschaft des Brustzentrums mit den für Brustkrebspatientinnen so wichtigen Herzkissen mit vor die Tür und der Klinikdirektor der Klinik für Frauenheilkunde Herr Prof. Dr. Rody gesellte sich auch noch dazu – ein schönes Bild.

Danach wurden noch ein paar extra Fotos für den Artikel in den Lübecker Nachrichten produziert und kurz vor elf war ich wieder auf der Strecke – noch rund 65 km bis Boltenhagen standen auf dem Plan.

Der Weg führte wunderhübsch durchs Hinterland, auch die Pause im Park in Schönberg war sehr idyllisch.

Noch etwas übers Land und dann endlich war ich wieder an der Ostsee auf dem richtigen Küstenradweg.

Links die Ostsee, rechts die Wälder und Felder und unter mir fester Sandweg – eine wahre Freude. Doch die währte leider nicht lange – Baustelle – Umleitung – na gut Komoot kennt die kürzeste Strecke zurück zum Küstenradweg – doch weit gefehlt – dort war immer noch gesperrt – der Weg wird neu gemacht und besteht derzeit nur aus losem tiefen Sand – das Ende der Sandstrecke war nicht zu sehen. Wenigstens war genau an dieser Stelle ein netter Imbiss, so dass der Ärger mit Fischbrötchen und Cola erfolgreich bekämpft werden konnte und der Weg auf der Komoot-Karte dann eben doch weiter übers Hinterland angepasst wurde.

Das Hinterland hat natürlich auch seine schönen Seiten – nur der Weg ist eben länger und wenn schon so fast 80 km auf dem Plan stehen, ist jeder Kilometer mehr schon anstrengend. Zurück auf dem Küstenradweg ging es ordentlich auf und ab – Schiebeeinheiten inklusive. Dann noch durch eine schöne Baumallee und Boltenhagen war endlich erreicht. Heute ist mal wieder Nobelhotel angesagt – nur fürs Fahrrad haben die keinen Nobelplatz -das muss draußen stehen – ich hoffe da steht es auch morgen früh noch.

Nach einer kurzen Erholungspause bin ich noch mal runter zum Strand und dann Essen im Bistro mit Fussball gucken. Morgen geht’s weiter über Wismar nach Kühlungsborn -hoffentlich ohne größere Umleitungen.

Früh der Blick zum Fenster – blauer Himmel und Sonnenschein – wie schön ist das denn!

Dann bin ich mal mutig und lasse gleich die lange Hose weg – das erste Mal auf der diesjährigen Tour. Dann schnell Frühstücken – sehr lecker. In diesem schönen Familienhotel kann man sich auch als Einzelperson wohl fühlen – bissel Kindertrubel muss man natürlich abkönnen.

Dann mit dem Mutmachpostsack Richtung Grömitz – am Anfang konnte ich mich gar nicht satt sehen an den vielen tollen Ausblicken – insbesondere natürlich denen Richtung Ostsee: Ohne schweres Gepäck flog ich sozusagen fast übers Land. An der Klinik in Grömitz war ich mit meiner heutigen lieben Mitfahrerin Susanne verabredet – sie hatte sich tatsächlich durch den Zeitungsartikel in den Lübecker Nachrichten bei mir gemeldet. Doch schon ca. 10 km vor Grömitz sprang eine freundliche Frau mit Fahrrad von einer Pausenbank auf als ich über den Hügel kam – es war Susanne mit einem mindestens genauso tollen Gravelbike, wie meins eins ist. Ab da flogen wir zusammen über die Strecke und hatten Grömitz auch schnell erreicht.

An der Klinik setzten wir und gemütlich davor und ich rief die Klinikleiterin Frau Baumann an, mit der ich den Termin vereinbart hatte. Durch den kürzlichen Tod der Stiftungsgründerin der Klinik Annette Rexrodt von Fircks war das jedoch verständlicher Weise etwas weg gerutscht. Spontan wurde das Treffen trotzdem möglich gemacht – wir sollten bei der Rezeption Bescheid sagen und würden dann zu ihr geleitet. An der Rezeption gab‘s dann aber fragende Blicke und dann die Aufklärung – wir saßen vor der falschen Klinik und müssen noch ein Haus weiter – also alles wieder aufsatteln – da kam uns Frau Baumann auch schön entgegen.

Bei einem Kaffee begannen wir das Gespräch – mir fiel aber da zuerst ein in der Ecke stehendes Farbkonzept von Caparol ins Auge und so drehten sich die ersten Gesprächsminuten gar nicht um Brustlosigkeit, sondern um die zu überarbeitende Fassade der Klinik und deren Risse – ist ja genau meine Profession. Dann kamen wir aber schon noch zum Thema und gemäß Frau Baumann ist die Mutmachpost in der Klinik super gut aufgehoben, da auch viele Frauen da zur Kur sind, die sich in der Entscheidungsphase befinden. Das obligatorische Foto haben wir dann vor dem Haupteingang gemacht, bevor ich mir gemeinsam mit dem Hausmeister noch die Fassade angeschaut habe, um mein Fachurteil zur Sanierung abgeben zu dürfen – das mache ich dann, wenn ich wieder daheim bin.

Den Weg zurück bis Pelzerhaken kannten wir ja schon, das Wetter verwöhnte uns und die Ausblicke ebenfalls auf des Feinste. Am Hotel schnappte ich mir das Gepäck, gleichzeitig konnten wir nun auch die Jacken ausziehen und im Radshirt fahren. – auch das das erste Mal für mich auf der gesamten Tour.

Die Ausblicke, der Sonnenschein und der Weg sorgten ständig für Jubel und beste Stimmung und so durchquerten wir Neustadt, Sierksdorf, Haffkrug, Scharbeutz und Timmendorfer Strand – schöne Erinnerungen an das Maffay-Konzert dort inklusive.

Dahinter in Niendorf folgte dann die 50 km-Pause – dank Susannes Ortskenntnis mit einem leckeren Fischbrötchen an einem ruhigeren Strandabschnitt. Das Bad in der Ostsee konnten wir uns da auch nicht entgehen lassen.

Weiter führte der Weg nach Travemünde und nur unterbrochen durch einen kurzen Stopp durch die Bahnschranke war der Weg nach Lübeck Kücknitz schnell absolviert. Dort trennten sich unsere Wege – Susanne fuhr zurück nach Lübeck und ich nur noch um zwei Ecken zu meinem heutigen Privatquartier. Das bietet wieder die Möglichkeit die Wäsche zu waschen und die Versorgung wie bei Muttern – bin ja schließlich auch bei ihrer Cousine. Somit klingt haute der Tag ganz in Ruhe aus.

Upps – wenn man abends an der Ostsee sitzt, dann hat man fast schon vergessen was am Morgen so stattgefunden hat.

Selbstverständlich gibt es auch in so einer modernen Jugendherberge ein ordentliches Frühstück. Dann habe ich mir den Luxus gegönnt nur mit kleinem Gepäck zu den Kliniken zu fahren (Mutmachpost und Regensachen) und die großen Taschen später in der JH auf dem Weg zum Bahnhof wieder abzuholen. Das Fahren ist so dann schon fast wie Fliegen – somit war ich schon weit vor der Zeit an der ersten Station für heute -dem Klinikum Mitte. Empfangen wurde ich von der Case Managerin Frau Chilla – sie hat hier im Klinikum die Aufgabe die Frauen durch die Krebstherapie zu begleiten – genau die richtige Stelle, um AMSOB und unsere Angebote bekannt zu machen. Im Gespräch konnte ich das besondere Engagement im Sinne der von Krebs betroffenen Frauen spüren, wo immer der individuelle Therapieplan im Einvernehmen zwischen allen Beteiligten abgestimmt wird und das Wohl der Patientin im Mittelpunkt steht.

Der Weg zur nächsten Station war ein Katzensprung. Auch hier war die Breast Care Nurse der Station – Frau Mecklenborg – meine Gesprächspartnerin – unsere Informationen, Flyer und Mutmachpost wurden dankbar aufgenommen und mir wurde dringend empfohlen auch noch die Bremer Krebsgesellschaft zu besuchen – dafür war jedoch im heutigen Tagesprogramm leider keine Lücke mehr frei – das wird daher per Post nachgeholt.

Der Weg zur nächsten Station war dann doch schon etwas länger, durch Parks, Industriegelände und nette Wohnviertel. die Rad-Infrastruktur ist in Bremen super ausgebaut und so war ich auch am DIAKO überpünktlich zur Stelle.

Durch mein zeitiges Erscheinen habe ich mir gleich den Empfang bissel vermasselt, denn die BCN Frau Schuldt und Frau Janßen von der Öffentlichkeitsarbeit wollten mich eigentlich gebührend am Haupteingang begrüßen und ich saß schon drin. Dem Gespräch tat das natürlich keinen Abbruch, auch die Seelsorgerin Fra Sprenger kam noch dazu und so sind alle Informationen gesichert an der richtigen Stelle, wo den Frauen in der Akut-Therapie wirklich mit Herz und Fachkenntnis geholfen wird. Immer wieder sind die Breast Care Nurse die Engel der Stationen mit dem besonderen Herz und Engagement weit über die Dinge, die vielleicht im Arbeitsvertrag stehen hinaus – heute habe ich wieder mehrere dieser besonderen Menschen kennenlernen dürfen -ich wünsche allen Frauen in der Akuttherapie genau diese Ansprechpartnerinnen und den BCN wünsche ich eine Klinikleitung, die sie genau diese Arbeit machen lässt und ihnen dafür den Freiraum trotz Finanzschwierigkeiten schafft.

Einen dicken Geschenkebeutel durfte ich übrigens vom DIAKO auch in Empfang nehmen – echt nett.

Dann schnell zurück über die Hafenanlagen zur Jugendherberge, Gepäck aufgesattelt und zum Bahnhof. Es war voll, viele Züge waren total verspätet, meiner nach Hamburg zum Glück nicht – aber entspannt reisen geht anders. Auch den nächsten Zug nach Lübeck habe ich gut erreicht – der hatte dann allerdings Verspätung und so konnte ich erst 30 Minuten später den nächsten Zug nach Neustadt/Holstein erreichen – Radfahren macht extrem mehr Spaß als Zug fahren – echt.

Aber wenigstens hat die Ein- und Aussteigerei mit Hilfe freundlicher Menschen gut geklappt – Neustadt empfing mich mit Regen, die Freude an der Ostsee zu sein war trotzdem groß.

Heute gabs Buffett mit Allem was das Herz begehrt und der Spaziergang zum Strand mit Baden und Begrüßung der Möwen war selbstverständlich Pflicht.

Morgen früh gehts – wieder mit leichtem Gepäck – erstmal nach Grömitz zur Kurklinik und dann zurück und über Schaprode und den Timmendorfer Strand Richtung Lübeck.

Sonntag – Wochenende und somit ein Urlaubstag ohne Besuch von Brustzentren. Also gab es einen geruhsamen Start in den Tag mit einem vorzüglichen Frühstück und dem gemütlichen Schwung in den Sattel erst kurz vor Zehn.

Rüber über die Weser und dann wie schon geübt in den letzten Tagen entlang der Felder, durch die Dörfer – viel Reitsport gibt es hier – und und im Windschatten des Deiches radeln.

Dann tauchten auch schon Schilder mit der Angabe „Centrum“ auf – offenbar waren also die Vororte von Bremen schon erreicht. Ah ja – da war auch das Weserstadion zu erkennen. Also gleich da – doch stopp da fehlt doch noch was – in jedem Fluss, den ich per Rad bereist habe, wurde auch gebadet – wird also höchste Eisenbahn, dies auch in der Weser zu erledigen. Am Weserstrand fand sich die Gelegenheit und auch freundliche Menschen, die bereit waren, dies per Foto zu dokumentieren. Danach war dann auch Zeit für ein kleines Mittagessen im Café nebenan.

Der Weg rein ins Stadtgetümmel war kurz und das heutige Quartier – die neu renovierte Jugendherberge schnell erreicht – nur fand ich den eigentlich von Komoot empfohlenen Uferweg unten nicht, da waren immer Treppen hinab, also bin ich eben oben lang mitten durch die Kneipenmeile. Das Zimmer in der JH war noch gar nicht bezugsfertig, also Gepäck abstellen und rein mit dem Fahrrad in die Innenstadt – der Griff an die Füße des Esels der Bremer Stadtmusikanten soll ja besonderes Glück bringen.

Am Nachmittag war ich bei Hanna – einem Gründungsmitglied von AMSOB – zum Kaffee eingeladen. Neben leckeren Kuchen gab es auch noch jede Menge Gesprächsstoff über das Leben mit, nach und trotz Krebs. Die Zeit verging wie im Fluge, auf dem Rückweg zur JH habe ich die Zufahrt zum Uferweg dann gut gefunden und war schnell wieder da.

Das Zimmer ist für JH-Verhältnisse echt super, das Essen auch und so kann der Tag nun ausklingen. Morgen gibt’s ja wieder ein straffes Programm mit dem Besuch der hiesigen drei Brustzentren und der anschließenden Zugfahrt rüber zur Ostsee – das Zeitmanagement wird spannend.

Das Fußballergebnis passt – somit startet heute jeder fröhlich in den Tag – ich auch. Selbst der morgendliche Nieselregen kann die Stimmung nicht wirklich trüben – schließlich sagt die Wettterapp, dass es damit bald aufhört.

Erstmal Frühstücken im Restaurant – heute mit vorgefertigtem Teller aus der Küche und netten ebenfalls radelnden Tischnachbarn – da gab es genug Gesprächsstoff.

Die App hatte recht – der Nieselregen hörte auf und so konnte ich durchs Flachland radeln, allerdings im Gegensatz zu den bisherigen Tagen nicht auf schönstem Asphalt, sondern streckenweise auf Holperpisten mit Schotter, Pflaster und Betonplatten. Die Bilder gleichen sich mal links mal rechts der Weser, Felder, Getier, lustige Warnschilder und Orte mit unzähligen Backsteinbauten.

Dann das Schild „Offene Kirche“. Grund genug vom Fahrrad zu steigen, hinein zu gehen, einen Dank nach oben zu senden, für die vielen Glücksmomente des Lebens in den letzten Tagen und den Wunsch es möge auch den Rest der Reise so sein.

Für die nächste Wegstrecke wurde der Wunsch schon mal erfüllt – meine Lieblingsblumen-Kombi am Wegesrand – Mohn und Kornblumen – dann auch noch ein verstecktes Reh im Feld und schöne Klinkerbauten – wie wunderbar.

Aber ganz so übertreiben mit der Fülle wollte das Universum wohl dann doch nicht – es folgte ein mächtiger Regenschauer mit Sturm – zum Glück für mich in der Nähe einer Unterstellmöglichkeit am überdachten Fahrradständer einer Schule – ich war dort nicht die Einzige, die Unterschlupf suchte.

Lang hat der Schauer nicht gedauert, ordentlich Äste vom Baum geweht hatte es aber schon. Die nächste Pause erfolgte wieder bei Sonnenschein – nur der Wind der blieb ab da ein ständiger Begleiter – heute aus allen Richtungen.

Vorbei an Dorf und Feld dauerte es nicht mehr lang und Verden war erreicht – heute somit die 50-km Pause als Besuch der Aller-Weser-Klinik mit Übergabe der Mutmachpost bei der Chefärztin der Gyn-Station Frau Dr. Brunnbauer. Ich durfte den Verein bekannt machen und es entspann sich ein Gespräch über die Vor- und Nachteile der Behandlungen in großen und kleineren Kliniken , insbesondere dann, wenn Frau nicht die „Regellösung“ möchte. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass hier in der Klinik individuell und umfassend beraten wird, wenn eine Mastektomie ansteht.

Danach waren nur noch knapp 20 km zu absolvieren, jetzt meist neben dem Deich entlang, vorbei an den Bauten und Autos der Reichen und Schönen und schon war das Bootshaus in Achim erreicht.

Heute habe ich in dieser Luxusunterkunft ein Zimmer mit Ausblick zur Weser – sehr hübsch. Das Essen fiel ebenfalls etwas mondäner aus – man gönnt sich ja sonst nix und so kann ich wieder entspannt und zufrieden Fußball schauen – morgen geht’s nach Bremen – der letzten Station an der Weser für mich.

Was soll nach dem gestrigen Tag noch an Höhepunkten kommen. Da fällt es schwer zur „Tagesordnung“ über zu gehen. Nach einer erholsamen Nacht folgte ein Frühstück in der Reha-Klinik, welches denen im Hotel nicht nachsteht. Schon vor Acht konnte ich starten – schließlich wurde ich um Neun bereits in der Klinik in Minden erwartet.

Hinab ins Tal und schnurgerade Richtung Minden vorbei am Kaiser Wilhelm Denkmal stand ich tatsächlich kurz vor Neun vor dem Johannes Wesling Klinikum Minden.

Mit netter Hilfe durch das Klinikpersonal fand ich auch die richtige Station und wurde schon von Frau Ulrike Weber Krumwiede von der Brustkrebshilfe OWL e.V. Empfangen – ein sehr aktiver Selbsthilfeverein hier in der Region. Zusammen warteten wir auf Prof.Dr. Soergel und Frau OA Meier. Im Gespräch durfte ich dann AMSOB und unser Angebot ausführlich vorstellen und es entstand ein sehr interessanter Informationsaustausch. Ich habe es zum ersten Mal erlebt, dass dabei auch durchaus zugegeben wurde, dass es Brustzentren gibt, wo auf eine Rekonstruktion insbesondere mit Silikon gedrungen wird und damit die Frauen, die das nicht wollen unter Druck geraten. Außerdem gab es den eindeutigen Tipp, wenn die Abnahme der zweiten nicht erkrankten Brust ohne Gen-Mutation gewollt ist, besser vorher NICHT die Krankenkasse zu fragen, sondern ein Brustzentrum zu suchen, welches ohne vorherigen Antrag die OP durchführt – im Nachhinein bezahlt die Krankenkasse. Das hat so deutlich noch niemand zu mir/uns in einem Gespräch gesagt und hilft bei künftigen Anfragen in dieser Richtung auf alle Fälle viel weiter.

Nach einer guten Stunde konnte ich mich wieder in den Sattel schwingen und war bald unten am Weserufer. Entlang der Strecke gab es Einiges zu sehen – Häuserzeilen mit schönen Fachwerkhäusern, Schleusen, jede Menge Windmühlen und sogar Schiffe auf der Weser.

Dann kam eine scharfe Kurve und vorher ein sehr merkwürdiges Schild – kenne ich sonst nur für Autos – normalerweise gilt ja „Wer bremst, verliert2 – hier war ich dann aber doch vorsichtig und bin im Bremsmodus durch gefahren.

Danach ging es im gewohnten Gang weiter – Fachwerkhäuser, kurze Parkbankpause, Mühlen, Störche, Kirchen, Schwimmvögel aller Art und dann endlich die 50 km-Pause bei schon 49,7 km mit leeeecker Waffeln.

Dann gut gestärkt über die Schleuse Schlüsselburg, entlang der Kornfelder, an vielen, vielen Kiesteichen vorbei und durch die Dörfer mit einer kurzen Trink-Pause in einem der zahlreichen hübschen Cafés war der Zielort Nienburg schon bald in Sicht – es rollte sich wirklich gut heute – kein Wunder es gab fast ausschließlich Rückenwind!

Das Hotel liegt mitten in der Stadt und so bin ich nach einer kurzen Ruhepause noch mal raus zum Stadtbummel und Abendessen, bevor ich jetzt wie wohl die Meisten im Lande gemütlich Fußball schaue. Bin gespannt wie es laufen wird.

Heute war ein richtiger John-Strelecky-Museumstag (also einer der Tage, die in meinem Lebens-Museum ganz bestimmt Erwähnung finden werden).

Ein Frühstück mit Allem was mein Herz begeht bei guten Freuden mit Rundum-Service – danke dafür. Also pünktlich aufs Rad und die knappe Stunde zur Klinik Porta Westfalica Bad Oeynhausen. Dort wurde ich von dem Chefarzt Dr. Wagner und dem Verwaltungsdirektor Torsten Blanke empfangen. Der Verein AMSOB und unser Anliegen waren bis heute in dieser Klinik noch völlig unbekannt. Umso interessierter folgten die beiden Herren meinen Worten und boten für die Zukunft eine Zusammenarbeit an und die Vermittlung zu Kontakten möglicher Finanzierungspartner. Das Foto mit der Mutmachpost durfte selbstverständlich auch nicht fehlen.

Von dort war es überhaupt nicht weit bis zur Reha-Klinik Bad Oexen. Die dort tätige allseits bekannte Schwester Birte ist ja der Grund, warum ich dieses Jahr überhaupt die Weser entlang fahre, denn auf meine letztjährige Ankündigung der Donautour erhielt ich auf Insta folgende Reaktion von Birte:

Und genau so war dann am späten Vormittag der Empfang – herzlich und voller Begeisterung. Nach dem Verstauen das Fahrrades erhielt ich mein Zimmer – eine Penthouse-Suite mit Terrasse – wie cool ist das denn! Ein Geschenk für mich stand auch noch im Zimmer – ganz lieben Dank dafür! Dann folgte eine ausführlich persönliche Führung durch die Klinik mit Birte – in ihrem Zimmer hängt natürlich unser Flyer und auch Mutmachpost – bekannt machen muss den Verein und unser Anliegen hier nicht mehr – die Klinik ist durch Birte längst eine unserer Mutmachstationen – schon bevor der Begriff im Rahmen der Radtouren überhaupt erfunden war.

Aber den Besuch nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass Flach-Bleiben als Option in die Beratung der Mastektomie gehört sehr wohl. Und so waren auch zwei Presse-Vertreter eingeladen zum Interview. Erstmal durfte ich aber zum Mittagessen in den Speisesaal.

Außerdem hatte Birte auch soviel Werbung für mein Kommen gemacht, dass sich nachmittags neun Frauen am Eingang eingefunden hatten, um mit mir noch eine kleine Radtour hier vor Ort zu unternehmen.

Bevor wir starteten, wurde erstmal gemeinsam das Interview geführt und die Fotosession mit viel Spaß bei der Sache absolviert.

Die Tour führte zu einer kleinen idyllisch gelegenen Wassermühle, die uns ohne meinen Besuch wohl verborgen geblieben wäre. Die Strecke bot außerdem viele schöne Ausblicke über die Landschaft, so dass wir gut gelaunt nach einer reichlichen Stunde wieder zurück waren.

Nach dem Abendessen bin ich nun völlig beseelt von diesen vielen tollen Begegnungen und Gesprächen auf meinem Zimmer und genieße den mir so völlig kostenfrei zu Verfügung gestellten Luxus.

In dieser Klinik können die Kurgäste wirklich genesen und sich von den Strapazen der Therapien erholen bevor sie wieder gestärkt in einen neuen Alltag starten – hier sind alle Mitarbeiter – aber natürlich ganz besonders Birte – mit ganzem Herzen dabei – danke, dass ich einen Tag teilhaben durfte.