Als Finale der Tour war heute noch die Fahrt zu einem Brustzentrum und zur Hamburger Krebsgesellschaft geplant. Über Nacht hatte es endlich angefangen zu regnen und es hörte natürlich auch am Morgen nicht auf – na gut, so konnten die mitgeschleppten Regenklamotten noch mal richtig zeigen was sie können.

Die erste Anlaufstelle war heute die Corona-Teststation auf der Reeperbahn in der Nähe der Davidwache – wer in eine Klinik hier rein will braucht ja richtiger Weise einen tagesaktuellen negativen Test. Da aber seit gestern die üblichen kostenfreien Tests nicht mehr zur Verfügung standen und sich das neue Reglement noch nicht eingespielt hat, sollte uns das einige Nerven kosten. Nicht nur, dass der Verantwortliche bei der Registrierung und fälschlicherweise in die 3€-Kosten-Kategorie einteilte, sondern auch der Bezahlvorgang in der App nicht funktionierte und wir so mehrmals den Anmeldeprozess durchlaufen mussten bis der richtige QR-Code erstellt war. Egal irgendwann waren wir fertig und dann ging es hinab zur Elbe. Wer so viele Tage an der Elbe entlang fährt, sie mehrfach auf Brücken und Fähren überquert und dann sogar noch drin rum schwimmt, muss auch noch unter ihr hindurch – also ab durch den alten Elbtunnel – ein schönes Erlebnis.

Danach schlängelte sich der Weg durch das Hafengelände, so nass wie es war, haben wir auf Fotos verzichtet und nach 15 km waren wir dann an der Helios Mariahilf Klinik angekommen. Was für ein grandioser Empfang hier – am Eingang applaudierten der Stationsleiter der Gynäkologie OA Kürschner, Oberärztin Dr. Kürschner, Schwester Kezi Türkmenel aus der gyn. Ambulanz und die akut erkrankte Patientin Frau Karpinski. Nach dem Ablegen der nassen Sachen wurden wir hinein gebeten und bei Kaffee und Brötchen hielt Herr Kürschner eine berührende Rede über die Tour, die Idee und die Umsetzung – eine höhere Wertschätzung zum Abschluss der Reise hätte ich mir gar nicht träumen lassen können und als er dann noch einen wunderhübschen Blumenstrauß überreichte, Muße ich mir doch glatt die Träne aus dem Knopfloch verdrücken. Unser Informationsmaterial wurde auch hier dankbar entgegengenommen und beiderseits als Anfang einer guten Zusammenarbeit gesehen. Das Foto durfte selbstverständlich auch nicht fehlen.

Der Rückweg war etwas entspannter, wenn auch nicht komplett trocken, aber in Annettes Wohnung konnten wir uns ja noch mal „trockenlegen“ bevor wir nachmittags zur Krebsgesellschaft fahren wollten.

Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf zur Hamburger Krebsgesellschaft nur 5 km entfernt durch das Stadtgetümmel von Hamburg. Dort wurden wir von der Leiterin Frau Holz und der Pressereferentin Frau Hoffmeister empfangen, die noch in der Endphase der Vorbereitungen für das gleich beginnende Sommerfest steckten. Zum Glück für Alle hörte es nun auch auf zu regnen und als das Fest begann kam sogar die Sonne als Gast vorbei. In den Räumen dort hängen die Bilder von Annettes Ausstellung zu ihrem Umgang mit dem Krebs und so passte der Abschluss der Tour ganz genau zu diesem Ort.

Nach offiziell per Komoot-App gezählten 798 km ist die erste Brustlos nicht Rad(t)los – Tour vorbei. Für ein Resümee brauche ich erstmal noch etwas Abstand – zu beeindruckend waren die Erlebnisse der letzten beiden Wochen. Es folgen zwei sicher sehr schöne Tage mit meinen beiden Töchtern hier in Hamburg – ein gewisser Herr Potter wird auch eine Rolle spielen – und dann hat mich der nicht weniger geliebte Alltag wieder.

Hier sage ich erstmal ganz allgemein ein FETTES DANKE an alle Mitwirkenden und real und virtuell Dabeigewesenen- es war mir ein riesiges Vergnügen.

Endspurt – heute Nachmittag werden wir in Hamburg ankommen – WIR, weil Annette liebenswerter Weise die letzte Streckenetappe und den morgigen Tag in Hamburg wieder mitradelt. Nach einem Frühstück mit tollem Ausblick über die Elbe machten wir uns also auf den weg über die Kopfsteinplasterstraßen von Lauenburg und auch wenn ich es mir vorgenommen hatte hier die netten Fachwerkhäuser zu fotografieren, blieb es beim Wollen, ich war froh den Lenker fest Inder Hand zu halten und erst wieder etwas entspannt als wir die Brücke zur anderen Elbseite erreichten. Dort war eine besondere Herausforderung in Form einer steilen Treppe in den regulären Radweg eingebaut – zum Glück waren ihr zu zweit- alleine hätte ich das Fahrrad mit Gepäck dort nicht hinunter bekommen. Nach dieser Anstrengung führte der Weg mit einem schönen Blick auf das gegenüberliegende Lauenburg im er am Ufer der Elbe entlang Hier hatte ich mir vom Hotel aus schon eine tolle Badestelle ausgeguckt, denn ich als ein Immer-und-überall-Bader kann mir doch bei einer so langen Fahrt an einem Gewässer das Bad darin nicht entgehen lassen und so haben wir schon nach wenigen Kilometern die erste Pause dafür eingelegt – es war natürlich herrlich.

Erfrischt stiegen wir wieder in en Sattel und haben bis zur nächsten Pause auf einem Campingplatz direkt am Deich noch nicht mal mehr zum Fotografieren angehalten. Aber eigentlich kennt ihr den Blick in die Landschaft schon, das ist der gleiche wie an den Tagen zuvor- die Elbe auf der einen Seite und auf der anderen Seite, Felder, Vögel und weites Land.

Dann sind wir kurz vom Elberadweg abgebogen und die ca. 5 km nach Winsen zum dortigen Brustzentrum gefahren. Dort waren wir etwas vor der vereinbarten Zeit da, haben die Fahrräder schön in Sichtweite des Eingangs an der Laterne angeschlossen und baten um Einlass – denkste – es folgte die Erklärung, das die Fahrräder dort nicht stehen dürfen, weil es verboten sei – eine inhaltliche Begründung, warum oder eine Ausnahmeentscheidung folgte nicht und so mussten wir die Fahrräder zum offiziellen Fahrradabstellplatz umparken. Dann zweiter Versuch zum Einlass, wir gaben an beim wo wir unseren Besuch vereinbart haben und wurden doch glatt an die Anmeldung direkt gegenüber verwiesen, die würde auf der Station anrufen. Ab diesen Zeitpunkt verlief der Termin wie Butterschnitte: Frau Corsten (Psychoonkologin) kam und nahm uns liebevoll in Empfang und wir wurden zur Station geführt. Hier war in einem Raum schon ein Tisch mit Wasser und Keksen vorbereitet. Frau Klisz, die BCN hier, kam auch noch dazu und auch die Pressereferentin der Klinik. Es folgte ein entspannter Austausch über Brustkrebs, die gewollten Therapien, genutzte Entscheidungshilfen, die Radreise, das Mutmachen und den Entscheidungsprozess der Frauen. Auch an diesem Brustzentrum wird den betroffenen Frauen viel Raum, Zeit und Unterstützung gegeben, um zu der für sie richtigen eigenen Entscheidung zu kommen – unser neues Mutmachmaterial wurde dabei dankend entgegen genommen. Die Mutmachstation-Fotos durften zum Abschluss natürlich auch nicht fehlen.

Durch das interessante Gespräch haben wir gar nicht gemerkt wie die Zeit verging und so waren wir schon etwas spät dran, denn wir wollten ja pünktlich im Mammazentrum Jerusalem ankommen und bis dort hin waren es noch 35 km. Also erstmal schnell wieder hinunter zur Elbe und dann hinüber mit der Fähre und dann ab durch die Hamburger Deichlandschaft.

Nach noch einer kurzen Trinkpause auf der Strecke kam dann doch die Hamburger Silhouette in Sicht und die Beine wurden immer schneller – Endspurt beflügelt. Der Radweg in die City rein ist wirklich gut ausgebaut und so radelten wir vergnügt direkt zwischen Innen- und Außenalster dem Mammazentrum entgegen. Hier wurden wir sofort strahlend vom Geschäftsführer Herrn Kuhlmann empfangen und die BCN Frau Lübbermeyer kam auch gleich dazu. Für uns alle und die ebenfalls anwesende ehemalige Patientin Hiltrud, die wie wir ebenfalls flach ihr schon langes Leben genießt, war im Gartenrestaurant ein Tisch reserviert und wir wurden mit kalten Getränken und Flammkuchen auf Kosten des Hauses verwöhnt. Auch dabei entwickelte sich selbstverständlich ein Gespräch über die Therapien, den Umgang damit und die Finanzierung der Stellen für die BCN und deren so wichtige Arbeit bei der Beratung der Frauen. Aber natürlich drehte sich das Gespräch auch ein Stück weit ums Radfahren, die Entspannung, die man dabei findet und die äußerst lohnenswerte Reise entlang des Elberadweges. PD Dr. Friedrichs kam liebenswerter Weise auch noch zu einem kurzen Plausch vorbei und als ich verriet, dass ich aus Leipzig bin, fiel ihm gleich Prof. Köhler ein – das ist mein Operateur – jetzt darf ich viele Grüße an ihn nach Leipzig überbringen. Das Mutmachstation-Foto durfte auch hier nicht fehlen und so sind wir erst 1,5 h später wieder aufgebrochen und zu Annette nach Hause gefahren und dann auch schnell in die Betten verschwunden.

Heute standen mehr als 75 km auf dem Plan. Im ca. 20 km entfernten Hitzacker war dabei für 11 Uhr ein Treffen mit Frau Witte von der Elbe-Jeetzel-Zeitung vereinbart. Mit Pausen plane ich eine Geschwindigkeit von 10 km/h ein und so bin ich nach einem leckeren Frühstück auf der Terrasse des Hotels um 9 Uhr los. Gleich wieder am Deich entlang und dann über die Brücke auf die linke Seite der Elbe. Da ich früh noch keine Pause brauchte war ich schon eher in Hitzacker und konnte mir noch einen Eindruck von diesem hübschem Ort verschaffen und Bargeld nachtanken. Dann war Frau Witte auch schon da und wir haben bei Eis und Milchshake ein ausführliches Gespräch über meine Reise, das Thema Brustlodsigkeit und das Selbstverständnis von Frauen geführt. Ich bin schon sehr gespannt auf den Artikel, den sie schreibt. Dann hat sich mich noch zum Fähranleger begleitet, die gewollten Fotos geschossen und schon war ich auf der Fahrt wieder zur anderen Elbseite hinüber.

Dann waren noch mehr als 50 km zu fahren, immer am Deich entlang, mal oben mal daneben. Ich teile mir die Strecke dann immer in kleine Abschnitte ein, damit der Weg nicht zu lang wird. Viele schöne Pausenplätze gab es aber heute nicht so. Die nächste Pause habe ich am Tisch von einem noch geschlossenen Café gemacht und die übernächste im Gras an einem Aussichtsturm. Ich glaube dort habe ich sogar kurz geschlafen. Als dann drei andere Radler auch dort Pause machen wollten bin ich weiter. Die Elbe war in dieser Gegend die Grenze zwischen der DDR und der BRD und so stehen hier noch viele Grenztürme – als Erinnerung an die Zeit, wo hier keine fröhlichen Radreisen in In Boitzenburg musste man einen Umweg am Hafen fahren und dann ging es ordentlich den Berg hoch (da musste ich sogar mal schieben). Aber die Richtung stimmte schon mal – ich war auf der Hamburger Straße ;).

Die restlichen 10 km bin ich dann nur noch gefahren, weitgehend ohne Fotos zu machen. Ich wollte einfach nur ankommen. Somit gibt es die Fotos von den schönen Häusern hier erst morgen bei der Weiterfahrt. Da wird mich Annette wieder begleiten, die inzwischen auch hier eingetroffen ist und wir konnten ein gemütliches Abendbrot im Hotelgarten genießen. Dabei gab es natürlich viel zu erzählen über die Erlebnisse der letzten Tage. Morgen fahren wir über das Brustzentrum Winsen bis rein nach Hamburg, wo wir vom Mammazentrum Jerusalem empfangen werden. Dann ist die Reise schon fast u Ende – das fühlt sich gerade echt unwirklich an.

Am Morgen weckten mich die Möwen vom Hafen mit ihren Rufen – da war es schon 6:30 Uhr – hab ich tatsächlich mal richtig lange geschlafen. Meine Möwe war nicht dabei, die ist wie es sich gehört gerade da wo sie hingehört – auf Usedom – weiß ich aus gut unterrichteten Kreisen ;)

Gut gelaunt erledigte ich die Packerei, hatte ein nettes Frühstück mit Blick auf die Elbe und ab in den Sattel. Immer oben auf dem Deich lang, obwohl dort Kies lag und der Radweg neben dem Deich asphaltiert war – aber da hat man ja nicht so eine schöne Sicht auf das Wasser und die drumherum gedeihenden Pflanzen und Tiere.

Nach gut 20 km war mir nach einer Pause und es fand sich auch eine nette Hütte. Bald gesellte sich noch ein Radfahrerpärchen hinzu, nein stimmt nicht ganz, die Frau setzte sich zu mir und der Mann inspizierte alle Tafeln mit historischen Informationen und die umliegenden Gebäude. Wir kamen ins Gespräch über das übliche Woher und Wohin und dann in meinem Fall auch zum Warum. Auf die Information, dass ich alle Brustzentren am Weg besuche, folgte die Frage, ob ich denn beruflich damit etwas zu tun hätte – dass ich selbst betroffen bin, war also trotz bereits mindestens 15 min Gespräch nicht aufgefallen – das bestätigt mal wieder meine sonstige Wahrnehmung – Dein Gegenüber sieht dich als Person und scannt nicht während des Gesprächs deinen Körper nach eventuellen Defiziten- schön, dass das so ist.

Gerade fragte ich nach dem Markt in Hitzacker, wo ich mich ja morgen mit der Reporterin der Elbe-Jetzel-Zeitung treffen will, da rief die erwähnte Reporterin auch schon an und wir haben uns für 11 Uhr verabredet – das Universum wusste offenbar mal wieder Bescheid.

Auf dem Weiterweg hat sich der Anblick der großartigen Elbauenlandschaft nicht wesentlich verändert – es gab immer etwas zu entdecken und so waren die nächsten 20 km im Nu absolviert. Da fand ich für die Pause ein nettes kleines Café mit kühlen Getränken und Hausmannskost – ganz nach meinem Geschmack. Außerdem war noch ein anderer Alleinradler da, der die gleiche Endstation heute hat wie ich und so haben wir uns zum Abendessen verabredet.

Dann waren nur noch 14 km übrig und ich hatte das Hotel erreicht. Hier haben sie sich für die Schlepperei mal was Gutes einfallen lassen – frau bekommt einen Bollerwagen – Klasse Idee. Das Fahrrad muss im Schuppen schlafen- ich dagegen in einem tollen Hotelzimmer, außerdem darf ich mich im Pool abkühlen und habe inzwischen bei einem interessanten abwechslungsreichen Gespräch zu Abend gegessen. Das war doch echt ein Glückskäfer- Urlaubstag. Morgen wird die Etappe mit 75 km ein ganzes Stück länger und so bette ich mich jetzt zur Ruhe und sammle Kraft für morgen.

Ausgeschlafen hatte ich heute ja wie fast immer schon gegen sechs Uhr und so hatte ich genug Zeit nach einer Woche auf Achse noch vor dem Frühstück mal Alles zu sortieren. Der Mutmachpostbeutel ist ja schon ziemlich lehr – da ist nur noch die Post für Winsen drin – den Rest hat Annette schon in Hamburg. Somit liegen jetzt drei Tage ohne Besuch in einem Brustzentrum vor mir – ganz normaler Radurlaub also – fahren, schauen, Pause machen, essen, trinken, ankommen und genießen,

Das Frühstück gab es auf der Ecke gegenüber – es blieb kein Wunsch offen und wir konnten gut gestärkt los radeln – erst runter zum Hafen und dann oberhalb des Elbufers durch die Dörfer

Entlang des Weges waren viele schöne alte Gebäude und auch viele Störche zu entdecken. Die Route führte heute teilweise über die ganz normalen Straßen – mit entsprechend Verkehr und die Sonne brannte schon ordentlich.

Also brauchten wir schon bald die erste Pause. Viel Trinken war angesagt. Bei der Weiterfahrt wollte dann doch tatsächlich ein Schmetterling bei mir mitfahren.

Danach ging es in ähnlicher Form weiter – Blumen, Türme und Getier am Wegesrand. Am Büttnershof konnten wir dann keinesfalls vorbei fahren – bei diesen Temperaturen muss frau ja viel trinken.

Danach hatten wir die Hälfte der Wegstrecke – also ungefähr 37 km geschafft. Irgendwo hatten wir dann auch die Landesgrenze von Sachsen-Anhalt nach Brandenburg passiert. Die Kirche in Werben mit ihrem steilen Dach fanden wir so beeindruckend, dass wir sogar hinein gegangen sind. Die angezündeten Kerzen brennen nun als Dank für Alles was bisher auf dieser Reise so geschehen ist und in Gedanken für all Jene, denen es derzeit durch welche Umstände auch immer, nicht so gut geht.

Ab jetzt führte der Weg fast ausschließlich auf oder neben dem Damm Richtung Wittenberge. Das war teilweise doch recht öde bei der Gluthitze – entschädigt wurden wir mit schönen Blicken übers Elbland – mit viel Wasser, Pflanzen und Getier.

Das trinken durfte natürlich auch nicht zu kurz kommen und so folgte die nächste Pause in einer der Hütten am Wegesrand. Dann war irgendwann endlich die Eisenbahnbrücke nach Wittenberge zu sehen. Diese hat an der Seite noch einen kleinen Steg für Fußgänger und Radfahrer, den wir genutzt haben. Das hat ganz schön gewackelt und der Holzbelag w auch nicht der neuste.

Wir sind heil auf der anderen Seite angekommen und ich bin im Elberesort untergeschlüpft, wo wir jetzt auch noch ein leckeres Abendessen genossen haben. Morgen bin ich wieder alleine unterwegs und fahre auf der rechten Elbseite bis zum Dömitzer Hafen.

Wenn der Tag mit einem Bad im Teich beginnen kann, der auch noch nur 50 m vom Bett entfernt ist, dann bin ich schon mal glücklich. Wenn dann danach auch noch ein richtig gutes Frühstück wartet, ist das kaum noch zu toppen. Somit saß ich heute kurz nach 9 Uhr vergnügt im Sattel und radelte durch den schattigen Kiefernwald. Bald führte der Weg jedoch auf dem Damm über die Dörfer und zwischen den Feldern hindurch. Das Farbenspiel des Getreide-Mohn-Kornblumen-Gemischs war wunderschön anzusehen, aber irgendwie drückte die Luft heute ganz schön und die Sonne prasselte – so schnell konnte ich gar nicht fahren, dass der Fahrtwind als Kühlung ausgereicht hätte. Nach 20 km musste daher eine Pause her.

Okay weiter – immer am Elbdamm entlang und schon war Tangermünde in Sicht. Ich bin aber erstmal nicht rein sondern am Stadttor vorbei gefahren, denn ich wollte ja die Mutmachpost in der Klinik in Stendal abgeben. Der Weg dahin ist natürlich kein schöner offizieller Radweg und so führte auch eine Teilstrecke ein paar Kilometer über die Bundesstraße – bei den Temperaturen nicht gerade lustig, aber wenigstens waren heute keine LKW unterwegs. Im Bereich der zweispurigen Bundesstraße gab es dann zum Glück einen parallelen Radweg und so konnte ich Stendal bald am Horizont erblicken. Jetzt musste ich nur noch einmal quer durch und dann hatte ich die Klinik erreicht. In der Zeit lag ich gut und so gönnte ich mir noch eine Pause auf einer schattigen Parkbank und traf am Telefon noch ein paar Absprachen mit Annette für die letzte Etappe am Donnerstag, die wir ja wieder gemeinsam fahren.

Als es auch da zu heiß wurde, bin ich rüber zur Klinik und habe am Empfang nach Frau Dr. Stefek (Leiterin des Brustzentrums) gefragt, die mir ja den Termin per Magil bestätigt hatte. Da das Brustzentrum aber am Sonntag nicht offen hat, war sie natürlich auch nicht da. Wahrscheinlich hatte sie bei der Terminbestätigung übersehen, dass der 28.8. ein Sonntag ist. Die Dame am Empfang bot mir an die Mutmachpost da zu lassen, wollte aber kein Foto machen – als Alternative schickte sie mich auf Station 2 – hier sind Urologie und Gyn zusammen. Das war wohl die bessere Variante, denn dort nahm Schwester Anja die Mutmachpost interessiert entgegen, war zum Foto bereit und versprach auch den Umschlag morgen früh bei Frau Dr. Stefek abzugeben. Ein Gespräch über Brustlosigkeit und den Umgang damit erübrigte sich so natürlich, ich wollte ihre Freundlichkeit auch nicht über Gebühr strapazieren, da sie auch gleich Feierabend hatte. Hier werde ich dann wohl besser noch eine Erklär-Mail ans Brustzentrum hinterher schicken. Nach der ganzen Aufregung brauchte ich erstmal eine Abkühlung – zum Glück hatte die Cafeteria auch Eis im Angebot.

Jetzt konnte ich beruhigt den Rückweg nach Tangermünde antreten. Eine kleine Rundfahrt durch Stendal habe ich mir trotz Hitze gegönnt und am Bahnhof auch noch meine Mitfahrerin der morgigen Etappe- Ina aus Leipzig – am Bahnhof abgeholt. Wir kennen uns über die Plattform Homodea von Veit und Andrea Lindau. Ich will hier wirklich keine Werbung machen, aber ohne Homodea und die Online-Kurse, die ich dort seit ca. 3 Jahren mache, hätte es diese Mutmach-Tour nie gegeben, denn dort habe ich unter Anderem gelernt, dass man auch Projekte angehen kann, von denen man noch nicht genau weiß wie alles geht und dann Schritt für Schritt loslegt, Partner sucht, ggf. korrigiert und neu plant und dann fügt sich schon Alles -und genau so ist es ja auch gekommen. Das Einzige was ich von Anfang an konnte, war die Strecke planen und in Etappen einteilen, dass habe ich ja in den letzten Jahren für den Radurlaub auch gemacht. Der Rest war komplettes Neuland mit tausend Fragen am Anfang: Werde ich die Frauen von AMSOB überhaupt von meiner Idee begeistern können? Werden die Brustzentren mich empfangen wollen? Wie trete ich den Ärzten und PflegerInnen entgegen – ich möchte ja keine Konfrontation, sondern Verbindung und Netzwerk schaffen? Wer kann ein Logo entwickeln? Was übergebe ich überhaupt? Wie bekommen wir die Medien dazu, davon zu berichten? Überall habe ich von meiner Idee erzählt und Schritt für Schritt hat sich Alles in Teamarbeit zusammen gefügt. An dieser Stelle möchte ich dafür schon mal DANKE sagen bei Allen die mitgewirkt haben – keine Angst ich zähle jetzt nicht alle auf – das mache ich am Ende der Tour im letzten Bericht – wer nicht genannt werden möchte, kann mich ja persönlich informieren.

Mit Ina zusammen war der Rückweg nach Tangermünde nicht ganz so öde, sondern nur warm. Wir schlafen heute in der Pension Langer Hals – was wohl an dem Gebäude vor der Pension liegt, da das so hoch ist, dass man echt einen langen Hals aus dem Fenster raus machen muss, um es komplett zu sehen.

Im Laufe des Tages hat sich Katja aus Braunschweig noch bei mir gemeldet. Sie fährt zur morgigen Fotoaktion von „Stark und Schön“ – Frauen mit Krebs – ein Fotoprojekt für mehr Selbstliebe – von Franziska Guenter und kam auf dem Weg dorthin mit Apfelkuchen hier vorbei und so haben wir bei Kaffee und Kuchen noch ein langes offenes Gespräch über alle Belange, die mit Diagnose und Therapie zusammen hängen geführt. Ich habe ihr gleich noch ein Mutmachpost-Päckchen mit gegeben, so dass alle Frauen, die morgen da sind, es auch sehen können.

Nach einem lohnenswerten Rundgang durch diese wunderschöne Stadt bin ich jetzt komplett platt und werde gleich nach Veröffentlichung dieses Beitrags schlafen, um morgen fit für die Etappe nach Wittenberge zu sein.

Heute gab es mal ein schnelles und einfaches Frühstück, denn der erste Termin war bereits für 9:00 Uhr in der Magdeburger Uniklinik angesetzt, denn zu diesem Zeitpunkt war der 24h-Dienst der Oberärztin Dr. Thele zu Ende, die mich empfangen wollte. So ein früher Start hat auch sein Gutes, denn es ist noch kühl und wenig los und man merkt hautnah wie so langsam der Tag erwacht.

Nach einer Stunde war Magdeburg in Sicht und ich fuhr pünktlich an der Universitätsfrauenklinik vor. Der freundliche Security- Herr am Empfang trug mir die Taschen rein und passte auch darauf auf. Dann stand Frau Dr. Thele auch schon vormittags und begleitete mich auf Station. Hier wurden alle verfügbaren Mitarbeiterinnen (u.a. OA Dr. Strecker und die Assistenzärztinnen Frau Hilderscheid und Frau Fettke). Alle haben mir zugehört beim Vorstellen des Vereins AMSOB und der Mutmachpost. Sofort hatte das Team die Idee die Postkarten einzurahmen und im Brustzentrum aufzuhängen. Zum obligatorischen Foto versammelten sich alle vor dem Empfang und dann gingen alle schnell wieder ihrer Arbeit nach und ich zu meinem Fahrrad.

Jetzt hatte ich etwas Zeit bis zum Besuch des Marinestützpunkts Magdeburg, die ich mir auf einer Parkbank mit einem schönen Geburtstagsanruf meiner Fanclubfreundin Kathrin und einem kleinen zweiten Frühstück verkürzte.

Am Marienstift hatte Oberärztin Seidl Dienst und hat diesen für 45 min unterbrochen um mich zu treffen. Auf der Parkbank vor der Klinik haben wir ein reges Gespräch über dem Umgang und die Beratung bei einer Mastektomie geführt. An diesem Krankenhaus jedenfalls wird den Frauen auf eine liebevolle Art reiner Wein eingeschenkt und eindeutig gesagt, dass eine Rekonstruktion die eigene Brust nicht ersetzen kann. So ist es auch konsequent, dass hier nur eine sofortige Rekonstruktion erfolgt, wenn die Frau das unbedingt möchte – ansonsten dürfen die Frau sich Zeit lassen mit Ihrer Entscheidung und sollen erstmal schauen, wie sie nicht sich so ohne Brust zurecht kommen, ehe ein Aufbau gemacht wird. Nach Erfahrung von Frau OA Seidl kommt ein großer Anteil, der Anfangs eine Rekonstruktion wollte, dann doch nicht zurück und lebt selbstbewusst flach mit oder ohne Epithese.

Beschwingt von diesem ehrlichen und liebevollen Gespräch stieg ich wieder aufs Rad quer durch Magdeburg und fuhr rüber auf die andere Elbseite. Nach einiger Suche fand ich auch ein nettes Café, wo ich das Rad nicht aus den Augen lassen musste und trotzdem gemütlich essen und trinken konnte. Dann war es nicht mehr weit bis zum Wasserstraßenkreuz und zur Schleuse Niegripp – der Monte Kali war auch weithin sichtbar.

Am Eiscafé in Niegripp zog mein Lenker doch glatt eindeutig nach rechts – die berühmte Einkehrlenkung und ich kam um eine leckere Erdbeer-Eismilch nicht drumrum ;)

In Rogätz ging es mit der Fähre wieder auf die andere Elbseite – es ist aber hier echt Niedrigwasser – mal sehen wie lange die Fähren noch fahren können. Dann erreichte mich ein Anruf von Thomas, der ja gestern schon die gewünschte Cola als Tourverpflegung geliefert hatte, mit der Frage, ob ich Nachschub brauche – ja klar.

Und so hatte ich nach dem Erreichen meines Quartiers in Beringen in einem ehemaligen Pionierlager (nein ich musste nicht das blaue oder rote Halstuch vorzeigen und auch nicht das Pionierlied vorsingen – gekonnt hätte ich es natürlich noch …“Fröhlich sein und singen, stolz das blaue Halstuch tragen“…;)))) gleich noch mal Besuch – diesmal von Thomas und Sabrina und meine Trinkversorgung ist gesichert und wir haben noch eine nette Zeit verbracht. Nach einem kurzen Bad im lagereigenen – ach nein, heißt ja jetzt resorteigenen – Badeteich lasse ich den Abend nun gemütlich ausklingen.

Morgen fahre ich nach Tangermünde mit einem Abstecher in die Klinik von Stendal.

Die Nacht hatte ich im Forsthaus und somit mitten in des Waldes Ruhe allein im Zimmer verbracht – am Frühstückstisch hingegen saß ich dann mit 5 Männern – ein Radfahrer aus Wiesbaden und 4 aus Halle – da hatten wir schnell unsere Themen – einmal quer durchs Gemüsebeet – Radfahren, Maffay (wegen der Hallenserin Hendrikje), Lehramtsstudium (alle Kinder studieren das) und natürlich die Motivation meiner Reise und somit der Umgang mit Krankheit und Behinderung – einer der Hallenser war nämlich leicht einseitig gelähmt und seine Freunde machten trotzdem mit ihm die zweitägige Radtour – nur eben mit seinem Tempo – wir haben uns also prächtig verstanden und so bin ich später losgekommen als geplant.

Ich habe ordentlich in die Pedale getreten, denn für 10:30 Uhr war ich mit Antje (wir kennen uns schon seit Urzeiten beruflich – sie muss mit Ihrem Unternehmen, nämlich die Dämmsysteme bauen, für die ich die Zulassungen mache und so bekomme ich oft aus erster Hand mit, wenn wir da am grünen Tisch wieder mal uns was ausgedacht haben, was unverständlich oder nicht so einfach umsetzbar ist). Also habe ich ordentlich in die Pedale getreten und war auch nach einer guten Stunde an der Fähre in Aken. Kurz vor Aken bin ich dabei aus dem Wald heraus gekommen und da fuhr doch glatt ein EJOT-Auto (für alle die nicht aus der Branche sind – EJOT stellt Dübel für Dämmsysteme her) gerade vorbei – das konnte nur Mario sein – hab mich kurz gewundert, warum er nicht anhält – aber vielleicht hat er mich ja nicht gesehen.

Schnell rüber mit der Fähre und dann noch ein paar Kilometer bis Steckby den Radweg auf der linken Seite der Straße lang. Plötzlich kommt ein Transporter und fährt auf die linke Seite und da ruft es aus dem Fenster „Bist Du die Antje“, „Ja“, „Ich bin Steffen, der Mann von Antje“ – fröhliches Winken – so konnte er ja schon mal bei Antje Bescheid geben, dass ich gleich da bin. Am Ortseingang kam sie mir dann auch schon entgegen mit ihrem Fahrrad und so konnte sie mich sicher zum Treffpunkt bei Opa Berthold lotsen. Da war schon eine Kaffeetafel aufgebaut, die Reporterin der Volksstimme, die vorige Woche den schönen Artikel geschrieben hatte, war auch da – es fehlte nur der Kuchen und die Getränke – da kam ein weißes Auto mit EJOT-Aufschrift angekullert – und wer stieg mit Kaffee und Kuchen aus..klar Mario – große Freude bei der Begrüßung. Wir hatten viel Spaß, ich durfte der Reporterin die Mutmachpost zeigen und den Sekt von Opa Berthold gab es auch noch – den bekommt man, wenn man bei ihm vorbei kommt und den Elberadweg von Dresden nach Hamburg oder umgekehrt komplett fährt.

Eine Stunde war schnell rum, dann wollten wir aber los, noch schnell in der Radfahrerkirche vorbei – da hat die Grit Lichtblau nämlich gerade eine Fotoausstellung. Dann ging es durch Wald und Feld Richtung Barby mit einigen Unterbrechungen an schönen Fotostellen. Das Highlight war ganz sicher die Überfahrt über die Elbe auf der alten Eisenbahnbrücke. Drüben angekommen war es Zeit für eine Pause, auch wir wollten ja den Radiobeitrag im MDR live hören und so ließen wir uns am Dönerladen nieder. Auch hier sind wir dann aus dem quatschen kaum raus gekommen und so war auch diese Pause eine Stunde lang.

Nun aber rasch – 15:30 Uhr waren wir zur Übergabe der Mutmachpost in der Kurklinik Salzelmen verabredet. Einmal quer durch Schönebeck und wir waren da. Antje wollte draußen warten und auf die Räder aufpassen und ich bin rein. Die Chefärztin der Onkologie Frau Dr. Bilsing nahm mich auch gleich in Empfang und führte mich auf die Terrasse der. Cafeteria. Da war doch tatsächlich eine Kaffeetafel mit Obsttellern und Getränken aufgebaut und die von Brustkrebs betroffenen Frauen, die gerade Reha hatten waren versammelt – was für eine tolle Idee – ich konnte die Mutmachpost erklären und übergeben und es folgte ein reger Austausch über all die Dinge, die Betroffene so bewegen – kurz dachte ich an die arme Antje, die ja draußen wartete – aber da kam sie auch schon zusammen mit Frau Freier von der Klinikverwaltung und den Rädern zur Tafel hinzu. Die BCN Schwester Sabine hatte als Überraschung auch noch ein Herzkissen für mich und so verging auch hier wieder eine Stunde rasend schnell. Ohne das Mutmachstation – Foto konnten wir natürlich keinesfalls weg – das war dann schnell noch erledigt. Interessant ist tatsächlich, dass es hier in der Reha mit Schwester Sabine eine ausgebildete Breast-Care-Nurse gibt, die die Frauen betreut und so neben den Ärzten eine Ansprechpartnerin für alle Belange der Frauen rund um ihre Erkrankung – nein besser ihre Genesung da ist, die ein offenes Ohr und Zeit dafür hat.

Für dem Rückweg zur Unterkunft – heute schlafe ich im Weltrad in Schönebeck – sind wir noch am Gradierwerk vorbei und dann runter zur Elbe. Hier hat mich zu meiner großen Freude mein Freund Thomas aus meinem Maffay-Fanclub besucht und Antjes Mann Steffen kam auch hinzu und so haben wir genüsslich zu viert Abendbrot gegessen. Thomas war sozusagen als Vertreter aller so lieben Menschen aus „meinem“ Maffay-Fanclub Ewig da, die bereits seit Beginn an meiner Krankheits- und Genesungsgeschichte und so auch an dieser besonderen Reise Anteil nehmen und mit ganz viel Empathie dabei sind – Ich bin Euch allen unendlich dankbar dafür – Träume, Tränen, Wege und die Zeit verbinden uns …

Jetzt ist ein so sehr ereignisreicher Tag mit unendlich vielen tollen Gesprächen und Begegnungen mit alten und neuen Bekannten zu Ende und nach Veröffentlichung dieses Blogs werde ich ganz bestimmt schnell schlafen, denn morgen früh bin ich ja schon 9:00 Uhr in der Uniklinik Magdeburg verabredet und bis dahin sind es knapp 20 km.

Heute war der Frühstückstisch für jeden Gast einzeln gedeckt – auch mal nett. Nachdem ich mir das Frühstück hatte schmecken lassen, war noch kurz Zeit für ein Erinnerungsfoto und dann ab auf die Fahrradpiste. Elke Naujokat von der Frauenselbsthilfe Krebs Sachsen Anhalt, welche mich eigentlich heute ab Wittenberg mit dem Fahrrad begleiten wollte, musste leider krankheitsbedingt absagen – schade. das eröffnete mir aber die Möglichkeit auf dem Weg nach Wittenberg noch einen Zwischenstopp an einer Bockwindmühle einzulegen und mich mit dem Museumswärter nett zu unterhalten – schön, dass es solche Menschen gibt, die sich für diese technischen Denkmale einsetzen und sie uns und den nachfolgenden Generationen geduldig erklären können.

Schon von der Mühle aus war ein Storchennest zu entdecken und auch auf der Weiterfahrt war noch ein(e) Meister(in) Adebar im Nest und auf dem Feld zu entdecken – so aus nächster Nähe ein seltener Anblick – zumindest für mich.

Schnell war Wittenberg erreicht, nur irgendwie habe ich den Abzweig ins Zentrum verpasst und dann führte der Elberadweg schon wieder links über die Brücke raus aus der Stadt – nach gut – ich war ja mit Lea auf unserer Radtour von Leipzig nach Berlin schon mal hier. Somit habe ich nach dem Überqueren der Brücke das nächste Rasthäusel für meine erste Pause genutzt – man muss ja bei der Hitze viel trinken.

Nach nur wenigen Kilometern zwischen den Getreidefeldern hindurch war doch tatsächlich schon der Wörlitzer Park erreicht – drin darf man nicht Fahrrad fahren – aber außen rum auf dem Damm gibt es auch schöne Einblicke auf des Parkgelände. Der Durst wurde auch schon wieder stärker und der Magen meldete sich ebenfalls und so habe ich mich kurzerhand für ein leckeres Mittagessen im Freisitz entschieden – das war eine echt gute Idee und in der Zeit lag ich ja auch super gut.

Erfrischt führte der Weg weiter Richtung Vockerode, unter der Autobahnbrücken der A9 hindurch, wieder durch Wald, Park und Flur und dann war auch schon mein heutiges Nachtquartier das Forsthaus Leiner Berg in Dessau Waldersee erreicht.

Das Zimmer war sogar schon bezugsfertig und so konnte ich mein Gepäck abladen…aber das Tagwerk war natürlich noch nicht vollbracht – Ich hatte mich ja mit den Oberärztinnen des Dessauer Brustzentrums und Grit Lichtblau vom Radio MDR Sachsen Anhalt für 15 Uhr in der Klinik zur Übergabe der Mutmachpost verabredet. Also schnell die notwendigen Sachen gepackt und los – wie ungewohnt fast ohne Gepäck – ich war doch tatsächlich gleich 2 km/h schneller als vorher. Auf der schönen Holzbrücke traf ich auf zwei andere Radlerinnen, die sich gerade mit einem Selfie abmühten und mein Angebot zu fotografieren gern annahmen. So bin ich im Gegenzug auch noch zu schönen Bildern gekommen, während wir uns über Behinderung, Bewegung, Alter und das Wertvolle im Leben ins Gespräch kamen. Dann aber schnell weiter quer durch Dessau und so stand ich pünktlich vor der Klinik und Grit Lichtblau auch. Die Oberärztinnen Frau Ganser und Frau Reimann waren dann auch schnell zur Stelle und an der frischen Luft konnte ich bei einem aufschlussreichen Gespräch die Mutmachpost an die Frau bringen. Besonders ist mir die Frage in Erinnerung geblieben, wie die Menschen, die mich kennen oder nicht kennen auf die sichtbare Brustlosigkeit reagieren – meist nämlich gar nicht – die, die es nicht wissen, sehen es auch eher überhaupt nicht und die es wissen, für die ist es nicht wirklich wichtig im Umgang mit mir – Frau Reimann hat das wirklich schön ausgedrückt mit den Worten „na denen sind Sie ja auch als Mensch wichtig und das zählt – stimmt…

Danach konnte und wollte ich das Angebot von Grit Lichtblau nicht ablehnen, mein Fahrrad in ihr Auto zu laden und mit dem Auto zurück zum Forsthaus zu fahren und dort noch das restliche Interview aufzunehmen. Dieses wird, wenn alles glatt geht morgen 13:40 Uhr im Radio MDR Sachsen Anhalt gesendet – ich bin schon gespannt an welcher Stelle ich dann morgen um diese Zeit auf dem Weg nach Schönebeck bin und wie ich mich selbst so anhöre.

Mein Fahrrad darf Auto. Fahren ;)

Ja – heute ist Sommeranfang und der längste Tag des Jahres – schöne Ereignisse und das Wetter hat dies ja auch ernst genommen,aber…Für mich ist heute auch zum ersten Mal der Geburtstag eines lieben Geschäftsfreundes an dem ich ihm nicht mehr persönlich gratulieren kann, da er im vorigen Jahr kurz nach seinem Geburtstag überraschend gestorben ist – ich schreibe ihm daher jetzt einfach einen Geburtstagsbrief – der Etappenbericht beginnt dann weiter unten,

Lieber Heiko,

Ich wünsche Dir einen friedlichen Geburtstag, wo auch immer Du den heute begehst. Vor einem Jahr haben wir das letzte Mal miteinander telefoniert und uns nichts Besonderes dabei gedacht – das nächste gemeinsame Treffen für ein paar Tage später war ja schon vereinbart – mhh – dazu sollte es dann aber ja nicht mehr kommen. Inzwischen ist nicht eine einzige Woche vergangen in der ich Dich nicht gerne angerufen oder getroffen hätte – natürlich hauptsächlich mit Fragen unserem Lieblingsthema WDVS – aber nicht nur – besonders an dieser Stelle bist Du für mich nicht zu ersetzen – wenn Jemand sagt „Jeder ist ersetzbar“ kann das so nicht stimmen – der konkrete Mensch, mit dem man sich im eigenen Leben zu einem bestimmten Thema verbunden hat, ist niemals ersetzbar – es bilden sich nur gezwungener Maßen neue Strukturen, um die gestellten Lebensaufgaben zu bewältigen, aber ein Ersatz kann das nicht sein – das ist ja auch anmaßend gegenüber dem der nicht mehr da ist und auch gegenüber dem was neu entsteht.

Unser letztes gemeinsames Projekt habe ich mit Würde, traurigem Herz und einem Lächeln auf den Lippen zu Ende gebracht und auf Grundlage unseres gemeinsam ersonnenen Prüfzyklus für das Gebäude unterschrieben, dass das WDVS bei fachgerechter Verarbeitung 50 Jahre lang hält – wenn dann doch in 49 Jahren Jemand meint, dass diese Aussage für das Objekt nicht stimmt, dann werden wir Zwei zusammen auf der gemeinsamen Wolke wo wir dann sitzen und wieder neue Ideen für Dämmsysteme ersinnen, uns ein Grinsen im Gesicht nicht verkneifen können – es ist ja schon eine wahnwitzige Idee, dass man sich mit einer Unterschrift wirkliche Garantien im Leben erkaufen könnte – wenn das so wäre, hätte ich tausend Zettel unterschrieben, dass ich nicht einen einzigen Tag in meinem Berufsleben ohne Dich verbringen muss – Du fehlst hier – ganz bestimmt nicht nur mir – auch wenn ich weiß, dass es Dir jetzt gut geht. Ich bleibe noch ein bissel hier – habe noch so viele Ideen und Projekte, die umgesetzt werden wollen, aber es tröstet mich schon, dass Du schon da bist, wenn ich dann auch auf die andere Seite des Universums komme – Alles Gute Heiko – Antje

Mit Heiko auf dem Weihnachtsmarkt 2017 – da war die letzte Chemo gerade noch im Gange

Der Tag begann heute mit einem zünftigen Western-Frühstück inklusive leckeren Pancakes und so war ich schon kurz vor Neun gut gestärkt startklar.

Bei der Fahrt war Meißen mit seinem Dom und den umliegenden Weinbergen schnell in Sicht und die Durchfahrt war gesäumt von vielen schönen Aus- und Einblicken in diese beeindruckende Stadt.

Ich habe den Elberadweg linksseitig zur Weiterfahrt genutzt und bin an vielen bezaubernden Stellen vorbei gekommen – die Fotos können nur einen Teil davon wieder geben.

Nach gut der Hälfte der Strecke knurrte der Magen und so war die erste Bank in Riesa gleich meine und wurde für eine ausgiebige Pause genutzt. Im Stadtzentrum habe ich dann gleich noch meine Vorräte aufgefüllt und weiter ging es – nun über die Brücke hinüber auf die rechte Elbseite.

Der Weg führte mehr oder weniger übers Hinterland entlang von Alleen, durch Wald und Feld und durch die Dörfer. In Mühlberg ging es dann wieder auf die andere Elbseite – auch hier über eine Brücke und kurz darauf war mein heutiges Quartier – das Rittergut Dröschkau erreicht. Der Empfang über handgeschriebene Zettel wollte so gar nicht zum eigentlichen Ambiente passen. Das Haus ist ordentlich saniert und das Zimmer echt nobel – dass Bad auch vom Feinsten – aber das Restaurant hat zu, zu Trinken gibt es im Kühlschrank stehende Aldi-Plastikflaschen und das Internet ist auch echt mau. Das sieht ganz so aus als hat man sich hier bei der Unterhaltung des Betriebes übernommen oder die Corona-Einschränkungen nicht gut überlebt. Egal ich habe ein tolles Bett zum Schlafen und Proviant für Notfälle habe ich eh immer dabei – schließlich sind Lea und mir bei unseren Radreisen in Frankreich auch ähnliche Situationen unter gekommen.

Morgen gehts weiter über Torgau – mit Brustzentrum – nach Zahna – Elster – das werden über 75 km – ordentlich eingefahren habe ich mich ja jetzt.