Zweiter Tag in Berlin, nochmal 5 Brustzentren und viele Mitradlerinnen auf einzelnen Abschnitten. Wird schon klappen, auch wenn immer etwas Anspannung bleibt, ob der Zeitplan klappt und auch die Erwartungen der Mitradlerinnen erfüllt werden können, die Meisten kenne ich ja noch nicht.

Zwei die früh schon mitkommen wollen, kenne ich aber sehr wohl – wieder Jessi aus Eisenhüttenstadt und Annette aus Hamburg. Annette ist die allerersten Etappen der allersten Tour an der Elbe in Dresden 2022 mitgefahren und natürlich, dAnn auch die Etappen in Hamburg und so verbindet uns schon viel und ich habe mich schon sehr auf das Wiedersehen gefreut.

Treffpunkt für die Tour durch den Berliner Osten war das Brandenburger Tor, Jessi hatte ich schnell gefunden und wir warteten zusammen auf Annette. Per WhatsApp kam kurz vor Acht von ihr die fröhliche Botschaft: „Bin da“ – nur zu sehen war sie nicht. Das klärte sich dann schnell auf – sie stand an der Siegessäule. Der erste Tourplan sah ja auch vor, am 6.6. den Osten und 7.6. den Westen zu fahren. Aufgrund der Termine von Silke und Susann haben wir das aber später getauscht – das war leider nicht bis zu Annette durchgedrungen.

Aber nicht so dramatisch, Annette kennt sich auch in Berlin bestens aus und konnte mit dem Treffpunkt der ersten Mutmachstation – dem Vivantes Klinikum am Urban – auch etwas anfangen. Also sind wir von unterschiedlichen Startpunkten dorthin los gefahren.

Am Urban angekommen wurden wir schon am Eingang von der Psychoonkologin Frau Koch ganz herzlich empfangen. Das Ärzteteam war nämlich nahezu komplett auf dem Senologiekongress in Dresden und so hat sie stellvertretend für alle die Mutmachpost entgegen genommen. In ihrem Behandlungsraum konnten wir uns ausführlich darüber austauschen, wie hier auf die Wünsche der von Mastektomie betroffenen Frauen eingegangen wird und welche Rolle dabei auch die psychoonkologische Beratung spielen soll, kann und muss. Besonders in Erinnerung geblieben, ist mir das Gespräch über den eigenen Umgang mit dem neuen Körperbild und der Berührbarkeit gerade auch mit und durch den Partner – echt ein wichtiges Thema. Auch bei mir hat es ja nunmehr zweieinhalb Jahre gedauert bis der „Erste“ wieder ran durfte – muss ja der „Richtige“ (Ja genau DU bist JETZT genau der RICHTIGE ;) ) sein und es braucht eben auch seine Zeit bis Frau es für sich richtig und gut findet. In diesem Brustzentrum wird jedenfalls sehr sensibel mit diesem Thema umgegangen und so ist es bestimmt leichter diese Herausforderung zu bewältigen.

Nach dem obligatorischen Foto haben wir dann draußen auch Annette getroffen und uns gemeinsam beschwingt auf den Weg zur nächsten Station gemacht.

Mitten durch Berlin – entlang der allseits bekannten Frankfurter Allee führte der Weg zum Sana Klinikum Lichtenberg. Hier wollten Ute und Johanna zu unserer Truppe dazu kommen, das hat auch super geklappt. es war aber von vornherein schon klar, dass wir hier die Mutmachpost nur am Tresen abgeben können, da das Brustzentrum geschlossen ist, weil – ihr erratet es bestimmt – das Team auf dem Senologiekongress in Dresden ist. Bei einem ganz netten Telefonat hatte mich das Team gebeten, doch unbedingt trotzdem die Post da abzugeben und alles weitere wird dann im Nachgang mit der Berliner Regionalgruppe besprochen. Das Foto vorm Schild haben wir natürlich gemacht und auch die Post an der richtigen Stelle deponiert.

Nun folgte die längste Strecke zwischen den Stationen – 16 km raus nach Berlin-Buch und das zu Fünft. Eine suchte Herausforderung bei den vielen Ampeln und später auch auf der Landstraße ohne separaten Fahrradweg. Als Lohn für diese Mühe haben wir ein wunderhübsches Blumenfeld für Gruppenfotos gefunden und sind trotz dieser netten Unterbrechung pünktlich in Berlin Buch angekommen.

Hier waren wir mit Schwester Katrin verabredet, die die Mutmachpost stellvertretend entgegen nehmen wollte, weil – ihr ahnt es schon – das Ärtzteteam auf dem Senologiekongress weilt. Nach einer kurzen Wartezeit, die wir mit Gesprächen und Essen gut überbrückten – schließlich kannten wir uns ja auch alle noch nicht so gut, hatte Schwester Katrin dann Zeit für uns und es kam sogar noch die Studienkoordinatorin Frau Jugel zum Gespräch dazu. Es war ein reger Austausch zwischen uns vielen Frauen und ein total offener Umgang mit unserem Anliegen. Nach Übergabe der Mutmachpost und dem Foto konnten wir mit einer weiteren echten Mutmachstation im Gepäck den Rückweg in die Innenstadt antreten.

Diesmal gab es fast durchgängig einen Fahrradweg und so erreichten wir sicher und schnell das nächste Brustzentrum in der Parkklinik Weißensee. Hier kam Ina noch zu uns dazu und wir machten uns als Abordnung von drei Frauen auf die Suche nach der richtigen Station. Nachdem wir etwas von A nach B nach C und dann wieder nach A gelaufen sind, stellte sich heraus, dass Dr. Koc ebenfalls auf dem Senologiekongress ist, aber..Dr. Kyek sich gern Zeit für uns nimmt. Der erste und auch einzige Mann mit dem wir auf der Tour über unser Thema sprechen durften – das hat er echt super emphatisch gemacht und ja auch noch ganz ohne Vorbereitung. Das Brustzentrum in Weißensee wird gerade wieder richtig gut durch Dr. Koc und sein Team neu aufgebaut – da kann Frau sich auch echt geborgen fühlen mit ihrer Diagnose und dem eigenen Weg des Umgangs damit.

Nachdem wir Ute und Johanna an der Klinik verabschiedet hatten fuhren wir in Windeseile das letzte Stück zu Charité. Natürlich war auch hier das eigentliche Team des Brustzentrums auf dem Seneologiekongress, aber Frau Stephan von der Studienabteilung war ein absolut würdiger Ersatz. Im Café neben der Charité entwickelte sich ein spannendes Gespräch, inzwischen war auch noch Luise aus der Berliner Regionalgruppe dazu gekommen, so dass wir fast die Zeit vergaßen. Wir wollten ja gegen 16 Uhr zum Abschlussfoto vor dem Brandenburger Tor sein. Mit etwas Verspätung hat das auch geklappt und zusammen mit den dort auch noch wartenden Mitgliedern der Berliner Regionalgruppe Susann und Angela ist uns ein würdiges Abschlussfoto gelungen.

Es war echt ein toller Tourauftakt in Berlin, ich bin berührt und dankbar für und von all den Gesprächen, der gesamten Berliner Gruppe und dem Engagement jedes Einzelnen zum Gelingen der Tour – einfach DANKE, DANKE, DANKE – es war mir eine große Freude und Ehre an diesen beiden Tagen mit Euch die wir noch gemeinsam beim Essen an der Spree gemütlich ausklingen ließen.

Es geht wieder los – ist ja alles schon geübt und doch ist alles neu. Tour planen, Brustzentren anschreiben, Mutmachpost packen, mich und das Fahrrad mit dem Zug zum Startort befördern lassen – klar das ist schon gut geübt, aber…

….diesmal sind es fünf Brustzentren an einem Tag, es wollen noch mehrere Frauen mitradeln (teilweise nur einzelne Stationen) und es geht den ganzen Tag mitten durch den Stadtverkehr….

Die größte Unsicherheit in meinem Bauch war also das Zeitmanagment und die Frage, ob dann, wenn das aus dem Ruder läuft, die Tour auch noch richtig Freude macht für alle Beteiligten.

Also los, den Versuch ist es auf alle Fälle ja wert. Kurz nach sieben Uhr starte ich nach einem leckeren Frühstück von meinem Quartier in Richtung Siegessäule – dem Treffpunkt der heutigen Tour. Fahrradstraße, Fahrradwege und wenig Verkehr so früh, also alles Bestens, gleich mal durchs Brandenburger Tor, danach zwangsweise durch den Park, da hinter dem Brandenburger Tor das Fußball-Euro-Fanfest schon aufgebaut wird – das war ne tolle Alternative. So komme ich gut gelaunt, flankiert von jeder Menge Joggern und Radfahrern, an der Siegessäule an.

Upps…wie soll ich den hier meine beiden Mitradlerinnen treffen, in die Mitte kommt man nicht und eine genaue Ecke hatten wir nicht ausgemacht. Während ich noch so darüber sinniere, klingelt und quietscht es schon neben mir und sie stehen da, Jessi aus Eisenhüttenstadt und Silke aus Berlin, klappt also, ich bin mit dem Tour-Trikot offensichtlich gut zu erkennen.

Nach einem schnellen Selfie starten wir vorbei am Schloss Charlottenburg zur ersten Mutmachstation – dem Brustzentrum der DRK Kliniken Westend und werden von Frau Oberärztin Pöhlmann und ihrer Kollegin schon erwartet und nett in Empfang genommen. Es entwickelt sich ein interessantes Gespräch über die Behandlungsmethoden, die Interessen der betroffenen Frauen, die Möglichkeiten der modernen Medizin und dem Weg, Herauszufinden, was das Richtige ist. Unsere Mutmachpost und die Infos zu AMSOB und besonders zur Berliner Regionalgruppe werden dankend angenommen und nach dem obligatorischen Foto kann sich dieses Brustzentrum nun zu Recht zu unseren Mutmach-Stationen zählen lassen.

Also weiter zur nächsten Station, wir sind in der Nähe vom Funkturm, hier gibt es mehr Autobahnen als Fahrradwege, ab durch das Gewühl. Wenig später erreichen wir sicher und erleichtert das Martin Luther Krankenhaus. Mit Durchfragen und Suchen finden wir auch die Station mit dem Brustzentrum und die Sekretärin bemüht sich sehr, die Ärztin zu finden, die uns empfangen möchte. Frau Dr. Makowiec unterbricht dann tatsächlich den laufenden Stationsbetrieb und wir dürfen am Tresen kurz vor ihr und dem Team die Mutmachpost vorstellen und übergeben und die Zeit für ein Foto findet sich ebenfalls und dann sind wir auch schon wieder raus aus dem Trubel.

Der Weg zum nächsten Brustzentrum ist gar nicht weit, es lohnt sich nicht einmal ein Foto zwischendurch und so sind wir kurze Zeit später schon am St. Gertrauden Krankenhaus angekommen. Hier treffen wir Meike, die ab jetzt auch mitradelt. Es ist Zeit auf den Bänken vor dem Krankenhaus noch etwas zu Essen bevor wir uns auf die Station des Brustzentrums begeben.

Hier werden wir schon erwartet von der onkologischen Fachschwester Anna Frömming. Zusammen mit Frau OA Tarps setzen wir uns in den Warteraum für ein ausführliches Gespräch. Zuerst bekommen wir aber noch ein liebevoll gepacktes Körbchen mit leckeren Keksen, Riegel, Äpfeln und Süßigkeiten – was für eine tolle Geste. Durch die vielen Gesprächsteilnehmerinnen können wir jede Menge Aspekte der Diagnose, Behandlung, Hilfe und Selbsthilfe besprechen und die Zeit ist ganz schnell rum, die Mutmachpost wird auch hier begeistert aufgenommen, so dass wir uns danach beschwingt wieder in den Sattel setzen können.

Der Weg zur nächsten Station war auch nicht wirklich weit und beim Fahren und Quatschen viel die Zeit für Fotos der Umgebung aus. Dahlem und Zehlendorf gehören aber definitiv zu den besser betuchten Gegenden von Berlin. Unterwegs haben wir Silke verabschiedet, sie muss sich um ihre Wärmepumpe kümmern, um die sich lösende Dämmung an der Außenwand kümmere ich mich dann demnächst ;)

Vor dem Krankenhaus Waldfriede werden wir schon von Angela, eine der Frauen der Berliner Regionalgruppe erwartet, die hier ihre Behandlung hatte. So entfällt dank ihrer Ortskunde diesmal die Sucherei der richtigen Station. Im Brustzentrum des Krankenhaus Waldfriede wurden wir von der Psychoonkologin Frau Gallardo-Brückner freudig empfangen und so nach und nach kam das gesamte an diesem Tag anwesende Team der Station zusammen, um uns zu begrüßen und mit uns zu sprechen. Da hab ich glatt den Überblick verloren, wer alles da war und man möge es mir verzeihen, bevor ich Einen in der Aufzählung vergesse, lass ich das mit den Namen. Es ist jedenfalls ein ganz, ganz engagiertes Team, die viele neue Ansätze der therapeutischen Begleitung interessiert ausprobieren (z.B. Angstfrei zur OP) und so auch total offen sind für unser Anliegen – hier ist Frau ganz sicher gut aufgehoben und behütet, wenn sie krank ist. Nach der Übergabe der Mutmachpost an sie und einem kleinen Beutel mit Geschenken an uns und natürlich dem Foto zogen wir mit der positiven Energie dieser Station wieder von dannen.

Nun aber rasch – um 14 Uhr fährt die Fähre über den Wannsee und die wollen wir erreichen. Wir haben ordentlich treten müssen, waren ja aber schon ein super Team und so landeten wir pünktlich an Board. Die Überfahrt bot schöne Ausblicke, die Zeit sich mal zu setzen und noch einen Happen zu essen und natürlich auch Fotos zu machen.

Nun noch hoch zum Krankenhaus Havelhöhe unserer fünften und letzten Mutmachstation des Tages. Hier durften wir im Speiseraum bei Wasser und Obst auf die Psychoonkologin Frau Schleusener warten. Als sie dann eintraf, hatten wir ein langes tiefgründiges Gespräch über den sanften Abschied von der eigenen Brust, den Entscheidungswegen und den möglichen Unterstützungen durch die therapeutische Begleitung. Es ist immer ein Geschenk, das Engagement der Menschen in den Kliniken zu erleben und ihr offenes Interesse für neue Hilfeansätze – wir gehören nun mit unserer Mutmachpost und unseren Angeboten der Selbsthilfe dazu – das freut uns natürlich sehr.

Nach dem Krankenhaus trennten sich unsere Wege, Meike und Jessi fuhren zurück zur Fähre und S-Bahn und ich um den See drumrum, mit Stopp im Restaurant und dann zurück durch den Großstadtverkehr zur Siegessäule und zum Quartier.

Es war ein toller erster Tag der Tour, alle Befürchtungen waren für die Katz, alles hat geklappt, selbst das Wetter war prächtig…

Aber vom heimlichen Highlight habe ich ja noch gar nicht erzählt und gezeigt…Jessica hat die Begabung häkeln zu können und hat sich an unsere AMSOB-Nixe herangetraut und sich selbst ein Exemplar angefertigt, total begeisternd…

Aber es kommt noch besser – ICH habe auch ein Exemplar bekommen, ganz für mich – mit A als Halskette, AMSOB als Armband, Mutmachpost in der Hand UND Tourlogo auf dem Rücken, absolut bezaubernd. Ich bin zutiefst gerührt über dieses riesige Geschenk. Natürlich kommt sie jetzt immer mit auf Tour und mein Krümelmonster und sie sind schon dicke Freunde…nur einen Namen habe ich noch nicht…Vorschläge werden dankend entgegen genommen.